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Krisengespräch : Wir planen für ein Digital-Semester

Tim Engartner, Professor für Didaktik der Sozialwissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt am Main Bild: Goethe-Universität

Am 20. April soll das Sommersemester an der Goethe-Uni beginnen. Im Krisengespräch erklärt Professor Tim Engartner, wie die Verantwortlichen das bewerkstelligen wollen.

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          Sie arbeiten derzeit überwiegend im Homeoffice. Haben Sie es dort ruhig?

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wir haben eine sechs Monate alte Tochter, die mich gelegentlich im Büro besucht. Aber es ist ausreichend ruhig, um konzentriert zu arbeiten.

          Was macht Ihnen Schwierigkeiten?

          Gerade fehlt der persönliche Kontakt mit Kollegen und Mitarbeiterinnen. Stattdessen müssen für Begehungen im Rahmen von Akkreditierungen, für Berufungskommissionen oder auch für reguläre Gremiensitzungen Telefon- und Videokonferenzen organisiert werden. Selbiges gilt für Sprechstunden und Projekttreffen. Mir führt die derzeitige Situation die Grenzen der Digitalität vor Augen.

          Fürchten Sie, dass Sie oder Ihre Angehörigen sich mit dem Coronavirus infizieren könnten?

          Man macht sich natürlich Sorgen – insbesondere um die Eltern, aber wir sind wohlbehalten aus Spanien zurückgekehrt und konnten dort „social distancing“ unter verschärften Vorgaben erproben.

          Kennen Sie Menschen, die infiziert sind?

          Ja, eine Person aus dem erweiterten Freundeskreis – aus Heinsberg.

          Leiden Sie unter dem Kontaktverbot?

          Es sind ja nicht alle Kontakte untersagt, aber natürlich ist das soziale Leben massiv eingeschränkt. Dass das Coronavirus unsere Routinen derart beeinträchtigen kann, verstört uns ja auch, weil die Nachkriegsgenerationen das nicht kennen. Aber in vielen Krisenregionen sind die Beschränkungen weitaus gravierender.

          Die Universität hat den Lehrbetrieb bis zum 20. April ausgesetzt. Wie geht es weiter, wenn das Virus bis dahin nicht unter Kontrolle ist?

          Das steht noch nicht endgültig fest. Wir bereiten uns in meinem Team auf ein „digitales Semester“ vor. Das werden wir schon schaffen, aber wie alle Universitäten haben wir bei der digitalen Lehre noch Nachholbedarf.

          Nachholbedarf inwiefern?

          Nach allem, was mir zugetragen wird, werden die IT-Kapazitäten an ihre Grenzen geraten, wenn 47.000 Studierende und 3500 Lehrende zugreifen.

          Wie finden Sie das Krisenmanagement der deutschen Politik?

          Abschließend beurteilen können wird man das erst nach der Krise, aber schon jetzt fällt auf, dass uns der föderale Fleckenteppich viel Zeit bei der Anbahnung von Entscheidungen gekostet hat. Zweifelsfrei versagt hat die Politik, indem sie das öffentliche Gesundheitswesen geschleift hat. Dass wir in einem reichen Land wie der Bundesrepublik fürchten müssen, in Krankenhäusern über zu wenig Atemschutzgeräte und Desinfektionsmittel zu verfügen, ist ein Armutszeugnis.

          Werden wir nach der Krise so weitermachen wie vorher?

          Ich glaube, dass sich unser Hygieneempfinden verändern wird – etwa mit Blick auf den Griff des Einkaufswagens. Und die Begegnungen mit Unbekannten dürften eine Zeitlang von größerer Distanz geprägt sein. Auch könnten die Präsenzzeiten am Arbeitsplatz in einigen Berufen neu austariert werden. Aber ja, wir werden wieder auf die Beine kommen.

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