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Mein virtueller Semesterbeginn : Das professorale Bücherregal ist jetzt schon ikonisch

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Bild: Screenshot

Was vielversprechend klingt, ist es am Ende aber nicht. Die Veranstaltung läuft gerade mal zwei Minuten, da stockt das Bild und der Ton fällt aus. Nach und nach werden Studierende aus dem Call geworfen und kommen anschließend nicht wieder rein. Auch beim zweiten Anlauf können nur ein Teil der Studenten teilnehmen und so findet die diesjährige Einführungsveranstaltung auch ohne mich statt. Dank hilfsbereiter Kommilitonen bin ich kurze Zeit später trotzdem auf dem neusten Stand. Der Inhalt der Veranstaltung lässt sich knapp zusammenfassen: Dieses Semester wird nicht sein wie alle anderen zuvor. Wie genau es ablaufen wird, das kann derzeit noch keiner sagen. Gebeten wird um gegenseitiges Verständnis.

Aber selbst, wenn die Technik mitgespielt hätte, wäre in einem Video-Call mit fast achtzig Leuten kein Platz für Detail- und Rückfragen. Was fehlt, ist auch der Austausch mit den Kommilitonen. Nach einer Veranstaltung, in der Fragen beantwortet werden sollten, fühlen sich viele ratloser als zuvor: Werden die kommenden Seminare genauso ablaufen?

Nele Höfler, geboren 1997, studiert Onlinejournalismus in Darmstadt.

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Goethe-Universität Frankfurt: Der Server geht in die Knie

Das Semester sollte eigentlich mit einer Vorlesung zu Philosophie und Literatur beginnen. Nicht im Hörsaal, sondern auf den Rechnern der Studierenden finden die Vorträge in diesem digitalen Studienhalbjahr statt. Über eine Online-Plattform werden die Folien und ein Audio-Kommentar zum Anhören bereitgestellt. Fragen und Einwände zum Thema können vorab per E-Mail gestellt werden und sollen in den Vortrag miteinfließen.

Doch ganz so einfach wie der Klick auf ein YouTube-Video erweist sich das Abspielen der Vorlesung dann doch nicht. Auch nach einigen Versuchen und einem Neustart will der Inhalt bei mir nicht laden. Über ihren Twitter-Account informiert die Abteilung Medientechnik der Uni: „Pünktlich zum elektronischen Vorlesungsbeginn gehen die Streaming-Server in die Knie. Wir wissen noch nicht, weshalb.“

Also bleibt noch etwas Zeit für den Text zur Sitzung. Da die Bibliotheken weiterhin geschlossen bleiben, werden Scans der Lektüren ebenfalls über die Online-Plattform oder als Reader über einen Copy-Shop bereitgestellt. Dieses Konzept funktioniert bereits seit einigen Jahren sehr gut. Zwar wird auch eine Auswahl weiterführender Literatur angeboten, doch spätestens zur Recherche für die Hausarbeit sollten die Bibliotheken wieder geöffnet sein.

Gegen Nachmittag gibt die Uni bekannt, das Serverproblem gelöst zu haben. Mein Video funktioniert allerdings immer noch nicht. Ich beschließe es morgen noch einmal zu probieren. Einen großen Vorteil hat die Aufzeichnung jedenfalls, wenn sie dann funktioniert: Wer die Sitzung verpasst hat, krank war oder sich schlecht konzentrieren konnte, kann sie jederzeit ein weiteres Mal abrufen.

Der monologische Ersatz funktioniert aber nicht für alle Veranstaltungsarten. Am Abend steht noch eine Ringvorlesung auf meinem Stundenplan. Sie soll in Echtzeit als Videokonferenz stattfinden, damit Fragen gleich im Anschluss und mündlich gestellt werden können.

Jonathan Kreß, 25 Jahre alt, studiert im Master Comparative Literature an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main

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