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Unterstützung für Uni-Dozenten : Lehre lernen

  • -Aktualisiert am

Eine Vorlesung zum Einschlafen? Das muss nicht sein. Bild: Getty

Wer im Hörsaal Studierende unterrichtet, hat nicht immer viel Ahnung von Didaktik und Rhetorik. Wie es besser und mit weniger Gähn-Faktor geht.

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          Ihr erstes Seminar hielt Stephanie Gast Zepeda digital. So hatte sie sich das eigentlich nicht vorgestellt, aber wie alle anderen musste auch die 25 Jahre alte Doktorandin der Staatswissenschaften an der Universität Erfurt wegen der Corona-Krise umdisponieren. „In der ersten Sitzung hat erst mal mein Mikrofon nicht funktioniert“, erzählt sie. Gast Zepeda gibt dieses Sommersemester zum ersten Mal einen Kurs, es geht um Economic Governance in der Europäischen Union. Die Vorbereitung war aufwendig, weil es ihr erster Kurs war und weil er von Grund auf konzipiert werden musste. Unterstützung und Rat bekam sie dafür wenig. „Als wissenschaftliche Mitarbeiterin an einer Uni muss man sich sowieso viel selbst erarbeiten.“

          So wie Gast Zepeda geht es vielen jungen Lehrenden an deutschen Unis: Wenn sie das erste Mal unterrichten sollen, sind sie hauptsächlich auf sich allein gestellt. Lehrende werden wegen ihrer fachlichen Expertise angestellt, unterrichten sollen sie eher nebenher. Wie Universitäten sie auf diese Aufgabe vorbereiten, ist sehr unterschiedlich. Meist sind die Weiterbildungsangebote freiwillig.

          Das führt auch dazu, dass in den hinteren Reihen schwer erkennbare Powerpoint-Folien, scheinbar zusammenhangslose und monotone Vorträge oder reiner Frontalunterricht zum regelmäßigen Alltag an deutschen Hochschulen gehören. Denn auch wenn die Person vorne am Pult ein Mathegenie oder eine grandiose Politiktheoretikerin ist, heißt das nicht automatisch, dass sie auch weiß, wie man diese Inhalte vermittelt. Hinzu kommt, dass Unterrichten kein gottgegebenes Talent ist, sondern, wie fast alles, geübt werden muss. Nicht immer tun das Lehrende, eine Didaktik- oder Rethorikveranstaltung mussten die meisten nie besuchen.

          Für Jan-Hendrik Schleimer, der zu theoretischer Biologie an der Humboldt-Uni in Berlin forscht, ist das Designen einer guten Vorlesung oft das Ergebnis von Ausprobieren. „Die erste Variante ist oft nicht ideal, und der erste Jahrgang leidet da auch darunter“, gibt er zu. Meistens spiegelten die Studierenden aber schnell zurück, was funktioniere und was nicht, und man könne die Veranstaltung dann verbessern.

          Coaching mit Videoanalyse

          In den Niederlanden ist das anders. Jeder, der dort dauerhaft an einer Uni lehren will, müsse einen Basiskurs im Unterrichten machen, erklärt Manon Kluijtmans, Leiterin des Zentrums für Akademische Lehre an der Universität Utrecht. Sie selbst arbeitet an der medizinischen Fakultät und ist Epidemiologin, hat sich inzwischen aber auf die Erforschung der Lehre spezialisiert. Schon in den neunziger Jahren erkannte man in den Niederlanden, dass Forschung einen zu hohen Stellenwert an den Unis einnahm und darunter die Qualität der Lehre litt.

          „Lehre wurde eher als Belastung wahrgenommen“, sagt Manon Kluijtmans. Heute müssen darum Lehrende an niederländischen Unis in den ersten beiden Jahren ihrer Anstellung eine University Teaching Qualification, also ein Zertifikat, das ihre Lehrfähigkeit bestätigt, erwerben. In einer Mischung aus Workshops und Mentoring sollen die Lehrenden dabei ihr Unterrichtsportfolio in den Dimensionen Vorlesungsdesign, Durchführung und Bewertung aufbauen. Zehn Präsenztage plus einige Zeit, um das Portfolio schriftlich auszuarbeiten, müssen die Dozierenden dafür mindestens investieren.

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