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Universität Passau : Namenspatronin gesucht

  • -Aktualisiert am

Blick auf das Donauufer von Passau Bild: Picture-Alliance

Keine einzige deutsche Universität trägt den Namen einer Frau. Das soll sich ändern. Ein Hochschullehrer und CSU-Kreisvorsitzender bringt in Passau eine linke Heimatdichterin ins Gespräch.

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          Johann Wolfgang von Goethe, Johannes Gutenberg, Heinrich Heine oder Carl von Ossietzky – sie alle geben einer deutschen Universität ihren Namen, in Frankfurt, Mainz, Düsseldorf oder Oldenburg. Männer als Namensgeber, wohin man schaut, ob nach Berlin, wo die Humboldt-Brüder geehrt werden, oder nach Gießen, wo des Chemikers Justus von Liebig gedacht wird.

          „Keine einzige Universität trägt den Namen einer Frau“, klagt der Passauer Hochschullehrer Holm Putzke. Seine eigene Universität ist noch namenslos, bisher lediglich nach dem Standort in Niederbayern benannt. Das soll sich ändern, sagt Putzke, mindestens eine gehobene Bildungsinstitution müsse nach einer Frau benannt werden. In Passau biete sich dafür Emerenz Meier an, findet der Strafrechtsprofessor.

          Plädoyer gegen die Frauenquote

          Emerenz Meier? Die niederbayerische Volksdichterin (1874 – 1928) war keine Wissenschaftlerin, hatte nie eine Universität besucht, sie wanderte im Jahr 1906 nach Chicago aus, wo sie auch begraben liegt. Bekannt wurde sie mit Gedichten und Geschichten über den Alltag einfacher Leute. Im vergangenen Jahr sind vier ihrer Erzählungen unter dem Titel „Aus dem Bayerischen Wald“ neu verlegt worden.

          „Es ist nicht zwingend, eine Universität nach einem Wissenschaftler zu benennen“, rechtfertigt Putzke seinen Vorschlag. Meier, die zeitlebens in Armut lebte, stand dem Kommunismus nahe. Umso erstaunlicher, dass der Vorschlag, sie zur Namenspatronin zu erheben, von einem Professor kommt, der zugleich Kreisvorsitzender der CSU ist. Auf dem letzten CSU-Parteitag war Putzke zudem noch mit flammenden Plädoyers gegen die Frauenquote aufgefallen.

          Vorschlag mitten im Kommunalwahlkampf

          „Eine Geschlechterquote ist weder unter Demokratieaspekten noch unter Leistungsaspekten gerecht“, sagt Putzke gegenüber der F.A.Z. und weiter: „Wenn wir aber über einen neuen Namen für die Universität nachdenken, sollten wir die Chance nutzen, mit der Benennung nach einer Namenspatronin bundesweit ein Signal zu setzen“. Ist es ein Zufall, dass sein medienwirksamer Vorschlag kurz vor den bayerischen Kommunalwahlen präsentiert wird?

          „Wer das Thema leichterhand abtut als Wahlkampfgetöse, verkennt die Ernsthaftigkeit der Initiative“, sagt Putzke, wohl auch mit Blick auf die Präsidentin der Passauer Uni, Carola Jungwirth, die erklärt hatte, dass sie die Diskussion mit Interesse beobachte, diese aber nicht in den Kommunalwahlkampf gehöre. Die Idee eines weiblichen Namens sei zudem bereits auf einer Veranstaltung zum diskriminierungsfreien Campus erörtert worden. Sie selbst wird eine Namensänderung wohl nicht mehr steuern können – ihre Amtszeit endet in wenigen Wochen, ein Mann folgt ihr nach.

          Derweil fallen in und um Passau neue Namensvorschläge vom Himmel. Manche würden Gisela von Bayern bevorzugen. Sie wurde vermutlich im Jahr 985 geboren, war später Königin von Ungarn, wurde seliggesprochen und liegt in Passau begraben. Ihre Unterstützer favorisieren eine „Gisela-Europa-Universität“, schließlich sei Passau „Europa-Stadt“. Auch der Name der 2009 verstorbenen Schauspielerin und früheren Intendantin des Münchner Volkstheaters Ruth Drexel ist zu hören. Weitere Vorschläge sind zu erwarten, weitere Namen werden kursieren: Hauptsache eine Frau, welche – ist das wirklich zweitrangig? Für Putzke nicht, er schlägt einen Wettbewerb vor, an dem sich jeder mit Namensvorschlägen beteiligen könne.

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