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Serie „Cum tempore“ : Theorie und Praxis

  • Aktualisiert am

Unterricht Ende April 2020 in einer Schule in Brandenburg Bild: ZB

In einer Erhebung der Uni Kiel nannten viele Studierende zu wenig Bezug zur späteren Berufspraxis als Hauptgrund dafür, dass sie ihr Lehramtsstudium vorzeitig aufgaben. Unsere Autorin kann das nur bestätigen.

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          Ich bin nun im fünften Semester – Zeit, eine Halbzeitbilanz zu ziehen. Ich studiere in Bayern. Dort dauert das Studium zur Grundschullehrkraft mindestens sechs Semester, in der Regel brauchen die meisten aber sieben bis acht. Vor allem, wenn sie neben dem Studium noch arbeiten müssen. Meist kommt dann noch ein Semester hinzu, um sich in Eigenregie auf das Staatsexamen vorzubereiten. Denn leider decken sich die Inhalte, die darin abgefragt werden, oft nur in Teilen mit denen, die an der Uni durchgenommen werden. Stichwort: Freiheit der Lehre. In der Medizin ist es ähnlich, und Studierende sollten in der Lage sein, sich Wissen selbst zu erarbeiten. Ich finde es nur wenig effektiv und ein Stück weit frustrierend. Es verstärkt mein Gefühl, viel Zeit damit zu verbringen, bergeweise theoretisches Wissen in mich hineinzustopfen, es für ein paar ECTS-Punkte wieder auszuspeien und es dann zügig wieder zu vergessen, da es weder für die Abschlussprüfung noch für die Praxis besonders relevant ist.

          Ob ich später im Deutschunterricht daran denke, die „CALP“, die Cognitive Academic Language Proficiency, also die kognitiv-akademische Sprachprofizienz, aller Kinder individuell zu fördern? Meiner Praktikumserfahrung nach schafft das in einer Regelklasse mit etwa 20 Kindern niemand. Die Lehrkräfte sind meist schon gut damit beschäftigt, Disziplin herzustellen und die „BICS“, die „Basic Interpersonal Communicative Skills“ zu schulen – sofern sie sich überhaupt noch an die Linguistik-Theorie erinnern, auf der eine entsprechende Didaktik beruht (die zudem umstritten ist).

          Wenig Bezug zur späteren Berufspraxis

          Doch nicht zuletzt der stolze Freistaat Bayern hält seinen Anspruch an Bildung und somit an seine Lehrkräfte hoch. Eine Reform der Lehrerbildung zu mehr Praxisnähe und einer Entschlackung der Studienpläne liegt ihm fern – auch wenn sich beides in meinen Augen eigentlich überhaupt nicht widerspricht. Eisern wird an der (über-?) akademisierten Lehrerbildung festgehalten – trotz des chronischen Lehrkräftemangels (der seit diesem Schuljahr übrigens mit dem Einsatz weitgehend unqualifizierter „Teamlehrkräfte“ kuriert werden soll) und einer Abbrecherquote im Lehramtsstudium, die laut Schätzungen bei gut 50 Prozent liegt. In einer Erhebung der Uni Kiel beispielsweise nannten viele Studierende zu wenig Bezug zur späteren Berufspraxis als Hauptgrund dafür, dass sie vorzeitig aufgaben.

          Ich kann das leider nur bestätigen. Viele meiner Kommilitonen ebenso. Allerdings ist ihre weitere Sichtweise ziemlich pragmatisch: Da müssen wir eben durch, ändern können wir daran sowieso nichts. Vielleicht ist das auch besser, als sich über ein System zu ärgern, das ich im Alleingang sowieso nicht ändern kann.

          Unsere Autorin geht mit Mitte 30 noch mal zur Uni. Hier hat sie regelmäßig von ihrem Leben als Lehramtsstudentin berichtet. Mit dieser Folge endet ihre Kolumne.

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