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Studie zu Corona-Semester : Überraschend zufrieden mit der digitalen Universität

  • -Aktualisiert am

Gigantischer Aufwand: Digitale Lehre kostet viel mehr Zeit als Präsenzlehre und kann das Seminar doch nicht ersetzen. Bild: dpa

Die Online-Lehre hat in den Geisteswissenschaften gut geklappt. Eine Studie zeigt aber auch die Probleme auf: Die Arbeitsbelastung ist gestiegen und Verteilungskämpfe könnten anstehen.

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          Hinter uns liegt ein Semester ohne Seminare. Ohne Kontakt, ohne Präsenz. Wie kann das in den Geisteswissenschaften funktionieren? Überraschend gut, ist das vorläufige Fazit einer Umfrage, mit der jetzt der Philosophische Fakultätentag, die hochschulpolitische Vertretung der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften an den deutschen Universitäten, die Stimmung an seinen über hundert Mitgliedsfakultäten sondiert hat.

          Das Seminar ist die Königsklasse der Lehre in den geisteswissenschaftlichen Fächern. Um seine Bedeutung zu ermessen, muss man wissen, wie Erkenntnisprozesse in den historischen und philologischen Disziplinen funktionieren. Das „tiefe Lesen“ von Texten ist die Grundlage jeder Hermeneutik, der kommunikative Austausch über das Gelesene das Salz in der Suppe der akademischen Lehre. Seminar kommt von lateinisch „semen“, zu Deutsch: „Samen“, „Setzling“. Die Etymologie trifft mitten ins Schwarze: Wo, wenn nicht im Seminar, soll die Saat des Denkens aufgehen, das Methodenarsenal der hermeneutischen Fächer antrainiert werden?

          Zusätzliche Arbeitsbelastung

          Über 90 Prozent der Befragten erklären, im laufenden Semester stark (22 Prozent) oder sehr stark (69 Prozent) in der digitalen Lehre engagiert gewesen zu sein. Nach Auskunft vieler Teilnehmer bedeutet das ein erhebliches Mehr an Arbeitsbelastung. Lehrvideos müssen aufgenommen, Lehrveranstaltungen in der zunächst ungewohnten Atmosphäre von Videokonferenz-Tools wie Zoom als sogenannte Webinare gehalten, der Kontakt zu den Studenten über Skype-Sprechstunden gepflegt werden.

          Allerdings fühlen sich die wenigsten Professoren von ihren Institutionen beim Beschreiten dieser neuen Wege alleingelassen. Jeweils über 60 Prozent geben an, Hochschulleitungen und Fakultäten würden die Herausforderungen im Großen und Ganzen gut bewältigen. Weniger als fünf Prozent stellen ihnen ein schlechtes Zeugnis aus. Etwas kritischer wird die Rolle der Hochschulverwaltungen wahrgenommen: Hier äußern 9 Prozent, mit dem Krisenmanagement unzufrieden zu sein, immerhin die Hälfte gibt auch hier ein positives Votum ab.

          Durchweg zufrieden ist man auch mit der Informationspolitik der Hochschulleitungen. Über drei Viertel (78 Prozent) der Befragten berichten, zu Anfang des Semesters regelmäßig und umfassend informiert worden zu sein. Etwas weniger, aber immerhin noch 71 Prozent, sehen den Informationsfluss auch aktuell gewährleistet. Die Umstellung auf den Online-Betrieb sei von den Präsidenten und Rektoren als Notlösung kommuniziert worden, sagen 24 Prozent: etwas mehr, nämlich 27 Prozent, geben an, die neue Normalität des Digitalen sei ihnen vor allem als Chance verkauft worden.

          Zufrieden mit der digitalen Nachrüstung

          Vergleichsweise gut geklappt hat die digitale Nachrüstung der Hochschulen. 60 Prozent lassen wissen, sie seien zufrieden mit der technischen Unterstützung, die neuen E-Learning-Tools bewerten knapp die Hälfte positiv, nur 11 Prozent äußern sich enttäuscht über die intelligenten Helferlein der Online-Lehre. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten: Nur 36 Prozent meinen, der Zugang zu wichtigen Online-Ressourcen wie E-Books und E-Journals habe sich verbessert. Dazu passt, dass über ein Drittel der Befragten die Versorgung mit Literatur durch die Bibliotheken kritisch (28 Prozent) oder sogar sehr kritisch (8 Prozent) bewertet.

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