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Study-Tuber: Niklas Steenfatt spricht auf Youtube über Lernstrategien, Präsentationen und Freizeitaktivitäten. Bild: Der Schulte

Studi-Trend Studytube : Per Klick zum Erfolg

  • -Aktualisiert am

Egal welche Frage, im Internet hält jemand die Antwort bereit. Auch zu den Themen Studium und Berufseinstieg. Manche Ratschläge von Influencern sind aber mit Vorsicht zu genießen.

          5 Min.

          Niklas Steenfatt sitzt in seinem Wohnzimmer und spricht in eine Kamera. Im Hintergrund sorgt eine Stehlampe für angenehme Beleuchtung, im Vordergrund geht es um die „Top 10 der größten Fehler im Studium“. Schlechte Lernmethoden, Vorlesungen schwänzen oder sich selbst Prüfungsstress machen – Dinge, von denen Steenfatt abrät und die er in einem seiner Youtube-Videos thematisiert. „Ich möchte jungen Leuten zeigen, wie man das Beste aus sich herausholt“, sagt Steenfatt. „Das hätte ich mir selbst früher gewünscht.“

          Für den heute 28-Jährigen lief es allerdings auch ohne Onlineratgeber ziemlich gut. Nach seinem Einserabitur schloss Steenfatt einen Informatik-Bachelor in Hamburg als Jahrgangsbester ab. Es folgte ein Master in Mathematik an der britischen Eliteuniversität Cambridge. Neben Erfahrungsberichten aus seiner Studienzeit gibt Niklas Steenfatt seit dem Jahr 2020 Tipps auf Youtube: von produktiven Lernstrategien über Stipendienbewerbungen bis hin zur perfekten Power-Point-Präsentation. Damit trifft er einen Nerv: Seinem Kanal auf der Plattform folgen 200.000 Personen, manche Videos haben mehr als eine Million Klicks.

          Nicht nur Steenfatt spricht im Netz über Themen wie Studium, Lernerfolg und Karriere – das Segment hat mittlerweile sogar einen eigenen Namen: „StudyTube“ lautet der geflügelte Begriff, unter dem die Inhalte auf Youtube zusammengefasst werden. Von konkreten Tipps und Anleitungen über Videoblogs – sogenannte „Vlogs“ – aus dem Alltag auf dem Campus und Frage-Antwort-Videos ist alles dabei.

          Pauken in Hogwarts

          Neben Youtube bietet auch Instagram eine Plattform für Lern-Influencer, dort finden sich unter dem Hashtag „Studygram“ rund 16,3 Millionen Beiträge. Auf Tiktok haben Clips mit diesem Schlagwort zusammen ganze 4,3 Milliarden Aufrufe. Die Zielgruppe sind junge Menschen, vor allem Studierende, teilweise auch Schüler. Sie wollen von den Erfahrungen ihrer Vorbilder profitieren, bessere Noten schreiben, ihre Traumpraktika bekommen und den perfekten Berufseinstieg schaffen. Das Angebot dafür ist riesig.

          Ein Trend, der während der Corona-Lockdowns auf besonders großen Anklang gestoßen ist, sind „Study-with-me“-Videos. Youtuber filmen sich selbst beim Lernen und kreieren so die moderne Version einer Lerngruppe. Gemeinsam online produktiv sein, Pauken in Hogwarts, an malerischen Strandpromenaden oder in schummrigen Jazzclubs – „StudyTube“ macht es möglich. ,

          „Dass Schüler und Studierende für diese Inhalte empfänglich sind, hat den Grund, dass ihr Leben zu einem großen Teil davon bestimmt ist“, sagt Sven Dierks. Er lehrt Medien- und Wirtschaftspsychologie an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Frankfurt. Influencer seien vor allem dann erfolgreich, wenn sie für ihre Abonnenten nah und greifbar wirken. Ungefähr wie eine Person aus dem eigenen Alltag.

          Gemeinsam statt einsam studieren: Rebecca Alvarado hat in der Corona-Krise Lerngruppen digitalisiert.
          Gemeinsam statt einsam studieren: Rebecca Alvarado hat in der Corona-Krise Lerngruppen digitalisiert. : Bild: privat

          So wie die Youtuberin Rebecca Alvarado. Sie hat den Trend des gemeinsamen Onlinelernens während Corona entdeckt und auf der Chat-Plattform Discord einen virtuellen Raum für die Abonnenten ihres Youtube-Kanals eröffnet. Dort können sich ihre Zuschauer austauschen und zusammen lernen. „Ein bis zwei Mal am Tag schaue ich in den Channel und melde mich zu Wort“, sagt Alvarado, die selbst in Heidelberg molekulare Biotechnologie studiert. Auf ihrem Youtube-Kanal „Rebecca Elizabeth“ gibt die 29-Jährige Einblicke in ihren Uni-Alltag.

          „Ich will das gern für alle zugänglich machen. Jeder soll sich von meinen Inhalten angesprochen fühlen“, erklärt Alvarado. Die Tipps und Ratschläge aus ihren Videos sind nur selten fachspezifisch: Es geht darum, wie man ein WG-Zimmer findet, seine Klausuren vorbereitet oder einen Lernplan schreibt. Eine Sache ist ihr dabei besonders wichtig: „Ich lege viel Wert darauf, nur über Themen zu sprechen, mit denen ich selbst Erfahrungen gemacht habe und bei denen ich mich auskenne.“

          Vom Youtuber zum Privatcoach

          Auf Social Media sei das laut Sven Dierks längst nicht selbstverständlich. Er sagt: „Das Problem mit vielen Inhalten online ist, dass sie nicht redaktionell geprüft sind.“ Jeder könne auf Social Media „Wissen“ vermitteln und damit auch Geld verdienen. „Wenn es bei jemandem gut läuft – die Videos also zum Beispiel viele Klicks bekommen oder die Followerzahl hoch ist –, erscheint uns die Person automatisch kompetent“, sagt Dierks. Als Informationsquelle nehme Social Media bei jungen Leuten eine wichtige Rolle ein.

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