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Studium zu Coronazeiten : Ungeübt in der digitalen Lehre

  • -Aktualisiert am

Ausprobieren auf der Messe „Learntec“ im Januar 2018 Bild: Wonge Bergmann

Hochschulen und Universitäten fehlt die nötige Ausstattung, um die Aussetzung des Präsenzbetriebs zu überbrücken. Doch nicht alles, was geht, ist auch sinnvoll. Ein Gastbeitrag von zwei Literaturwissenschaftlern.

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          Nach der Verschiebung des Vorlesungsbeginns an den deutschen Hochschulen wegen der Corona-Pandemie auf den 20. April erwarten viele Dozenten und Studenten die baldige Absage des gesamten Sommersemesters. Ein „Offener Brief aus Forschung und Lehre“, der online inzwischen von Tausenden Akademikern unterzeichnet worden ist, fordert, das kommende Semester müsse zumindest in dem Sinne ein „Nichtsemester“ werden, dass Studenten zwar Leistungen ablegen können, ihnen aber keine Nachteile entstehen, falls dies für sie nicht möglich ist.

          Auch für Hochschullehrer solle das Semester „unter Aussetzung strenger Deputatsberechnungen stattfinden“. Die Wissenschaftsministerien und die Hochschulleitungen scheinen derweil noch fest entschlossen zu sein, den Lehrbetrieb in provisorischer Form aufrechtzuerhalten. In den letzten Wochen oder Tagen haben sich Rektorate und Präsidien an die Lehrenden gewandt und diese aufgefordert, ihre als Präsenzveranstaltungen geplanten Vorlesungen, Seminare und Übungen so weit wie möglich durch digitale Formen des sogenannten „Distance Teaching and Learning“ zu ersetzen.

          Auch in Bielefeld arbeitet das Rektorat der Universität unter enormem Zeitdruck daran, die Infrastruktur für die Umstellung auf E-Learning-Formate auszubauen. Nahezu alle Hochschulen dürften heute digitale Plattformen zur Bereitstellung von Materialien und Übungsaufgaben im Angebot haben. Diese Lernräume sind vor allem für asynchrone Lernsituationen gedacht. Doch die Hochschullehre kann auf Präsenz und Interaktion in synchroner Form nicht völlig verzichten. Deshalb verhandelt man derzeit unter anderem über eine Campus-Lizenz für das Webkonferenz-Programm „Zoom“, obwohl dessen Einsatz im Lehrbetrieb datenschutzrechtliche Fragen aufwirft. Zugleich wird von Seiten der Hochschulleitungen darauf verwiesen, dass durch die umfangreichen Pakete von E-Publikationen der stark eingeschränkte Zugriff auf die Präsenzbestände der Bibliotheken weitgehend kompensiert werden könne.

          Technische und didaktische Kompetenzen fehlen

          Ob sich allerdings binnen weniger Wochen die Voraussetzungen für eine Umstellung Tausender Präsenzveranstaltungen an den Hochschulen schaffen lassen, erscheint schon in technischer Hinsicht fraglich. Das fängt damit an, dass sicherlich nicht alle Studierenden und vielleicht auch nicht alle Dozenten über die leistungsfähigen Netzanschlüsse und Rechnerkapazitäten verfügen, die für die digitale Kommunikation erforderlich wären. Als Schwierigkeit kommt auf der Ebene der Systeme hinzu, dass die digitalen Lehrräume, die in den vergangenen Jahren an den Hochschulen und Forschungseinrichtungen als ergänzendes Angebot aufgebaut worden sind, bei flächendeckender Nutzung unter den Datenmengen zusammenzubrechen drohen. Schon heute, Wochen vor dem Beginn der Lehrveranstaltungen, gelingt es beispielsweise nicht, die vom Deutschen Forschungsnetz (DFN) betriebenen virtuellen Konferenz- und Vorlesungsplattformen zu normalen Arbeitszeiten zu betreten. Der Verein weist selbst auf die Gefahr einer Überlastung seiner Server durch die massiv steigende Nachfrage hin.

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