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Studium und Corona : Plötzlich digital

  • -Aktualisiert am

Benedikt Flörsch (29), siebtes Semester Medizin an der LMU München

Ich bin froh, dass ich meine Famulatur vergangene Woche noch beenden konnte. Aber auch allen, die ihr Blockpraktikum wegen der Corona-Krise abbrechen mussten, wird es nun seitens der Uni anerkannt und das finde ich sehr fair. Ich persönlich blicke ansonsten recht entspannt auf das Sommersemester, da bei mir ohnehin vergleichsweise wenige Lehrveranstaltungen anstehen. Die Uni hat bereits angekündigt, dass viele Pflichtveranstaltungen und Materialien nun virtuell abgehalten oder zur Verfügung gestellt werden, aber wie das dann im Detail aussehen wird ist noch nicht bekannt.

Wegen Copyright-Fragen erscheint mir die LMU da leider allgemein noch etwas zögerlich. Die medizinische Fakultät von Harvard beispielsweise stellt einige ihrer Inhalte frei zugänglich ins Netz, das finde ich klasse. Wichtig für Medizin-Studierende sind auch Altklausuren zum Üben, ich hoffe, die werden jetzt einfach unproblematisch online gestellt. Ansonsten lerne ich wie die meisten Medizin-Studierenden mittlerweile mit dem digitalen Nachschlagewerk „Amboss“ in Eigenregie, das alle wichtigen Standardwerke vereint und zu jedem Fachgebiet die passenden Fragen aus den Staatsexamen zum Üben anbietet.

Jonathan Overmeyer (24), drittes Semester Politikwissenschaften am Sciences Po Rennes

Eigentlich bin ich mitten in meinem zweiten Auslandssemester hier in Frankreich, aber durch die strikte Ausgangssperre ist diese Erfahrung natürlich vorerst passè. Etwa 80 Prozent der ausländischen Studierenden sind bereits in ihre Heimat zurückgekehrt. Ich habe eine dementsprechende Empfehlung seitens der Hochschule erhalten, möchte aber nicht Hals oder Kopf abreisen, es ist ja noch unklar, wie es weitergehen wird. Außerdem möchte ich meine Freundin nicht alleine lassen. Sie ist Argentinierin und darf derzeit nicht nach Deutschland einreisen.

Wenn sie zurückkehren würde müsste sie wiederum in Buenos Aires, wo sie auch niemanden kennt, zwei Wochen in Quarantäne. Uns hat das kalt erwischt. Wir teilen uns ein neun Quadratmeter großes Wohnheimzimmer. Konzentriert zu arbeiten ist da schwer – zumal mir der Ausgleich fehlt, zum Sport an die frische Luft zu gehen geht ja nicht. Viele Kurse sollen nun online anlaufen. Das ist sinnvoll, um nicht zu viel Zeit zu verlieren. Allerdings finde ich es gerade in den Politikwissenschaften wichtig, nicht nur allein daheim Texte zu bearbeiten. Ich profitiere immer sehr vom Austausch mit anderen Studierenden und würde mir wünschen, dass entsprechende Seminare beispielsweise via Zoom abgehalten werden. Und das zu festen Terminen. Mir ist eine feste Struktur wichtig, ein regelmäßiger Rhythmus hilft mir, fokussiert zu bleiben.

David Overmeyer (27), siebtes Semester Jura an der WWU Münster

Bei mir würde im Juni eigentlich die mündliche Prüfung meines zweiten Staatsexamens anstehen. Ich hoffe sehr, dass sie stattfinden kann, im August werde ich zum ersten Mal Vater. Einem Kommilitonen wurde sie vor wenigen Tagen am Morgen seines Prüfungstermins abgesagt, das war natürlich bitter. Eine Prüfung via Skype beispielsweise stelle ich mir sehr schwierig vor. Wir müssen einen Fall analysieren und beurteilen. Dafür haben wir eine Stunde Vorbereitungszeit und dürfen nur Gesetzesbücher als Hilfsmittel verwenden.

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