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Studieren bei der Bundeswehr : Zwischen Krieg und Karriere

  • -Aktualisiert am

Auch Bundeswehrsoldaten recherchieren für ihr Studium in der Bibliothek. Bild: Universität der Bundeswehr München/Foto Ink

Die Bundeswehr-Unis in Hamburg und München locken mit exzellenten Studienbedingungen und Berufsperspektiven. Doch das Studieren unter Soldaten ist herausfordernd.

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          Mitten im freien Feld, fast an der Grenze zur Schweiz, am Rande eines Waldstücks liegt die Pfullendorfer Staufer-Kaserne. Hier kämpfte sich Laura Winter im Jahr 2017 durch die Ausbildung der Bundeswehr. Eine Woche lang musste sie mit schwerem Gepäck kilometerweit durch unwegsames Gelände und durch Schlamm marschieren – zu essen gab es nur Notrationen. „Das war fordernd“, erzählt die 23-Jährige. „Aber es war auch der Moment, an dem ich wusste, dass ich bei der Bundeswehr richtig bin. Ich brauche eine spannende und abwechslungsreiche Aufgabe.“ Laura Winter soll bei dem Gewaltmarsch lernen, einen Flugzeugabsturz in feindlichem Gebiet zu überleben. Das Training der Luftwaffe ist Teil ihrer Offiziersausbildung – und Voraussetzung dafür, dass sie studieren kann.

          Denn Winter – inzwischen Leutnant – studiert nun Mathematical Engineering an der Universität der Bundeswehr in München. Der Masterstudiengang ist Teil ihrer Offizierslaufbahn. Das Studium an den Bundeswehr-Universitäten verlangt ihr und den anderen Studierenden einiges ab. Wer heutzutage eine Offizierskarriere einschlägt, verbringt die ersten 15 Monate seiner mindestens 13 Jahre Dienst vor allem im Flecktarn: militärische Ausbildung bei der Truppe. Erst danach geht es an die Bundeswehr-Uni, wo Soldaten nach vier Jahren ihren Studienabschluss erwerben müssen. Am Ende geht es wieder zurück zur Truppe. Dafür gibt es allerdings auch zahlreiche Vorteile: Die Abiturnote spielt hier keine Rolle, dafür entscheidet ein Aufnahmetest. Jeder Soldat erhält von Anfang an ein gutes Gehalt, und wer die Laufbahn übersteht, hat gute Chancen auf einen sicheren Arbeitsplatz.

          25 Studierende in einer Master-Vorlesung – höchstens

          In Deutschland gibt es zwei solcher Bundeswehr-Universitäten: die Universität der Bundeswehr in München und  die Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg. Sie haben einiges zu bieten. Es herrscht das Kleingruppen-Prinzip, auf insgesamt 3500 Studierende kommen in München knapp 200 Professoren – also gut 18 Studierende auf einen Hochschullehrer. Ein unschlagbares Verhältnis: Deutschlandweit liegt das Betreuungsverhältnis durchschnittlich bei 65 zu eins.

          An der Bundeswehr-Uni in München gibt es nur wenige Master-Vorlesungen, an der mehr als 25 Studierende teilnehmen. „In meinen Seminaren passen alle an einen Biertisch“, scherzt Leutnant Winter. „Während sich an den Landesuniversitäten mehrere hundert Studenten in einen Hörsaal quetschen, können wir an den Universitäten der Bundeswehr eine wirklich enge Betreuung garantieren“, bestätigt Eva-Maria Kern, Vizepräsidentin für Forschung und Wissenschaftlichen Nachwuchs der Universität der Bundeswehr München.

          Dabei unterscheidet sich der reguläre Alltag an den Bundeswehr-Unis kaum von dem an zivilen Universitäten. Uniform trägt fast keiner. Nur wenn ein Treffen mit dem Disziplinar-Vorgesetzten, der die Soldaten abmahnen oder sogar vom Dienst verweisen kann, ansteht, werfen sich die Studierenden in ihre grüne Felduniform. Allerdings: „Auch hier an der Uni ist es möglich, nach einer durchzechten Nacht mal eine Vorlesung auszulassen und später nachzuholen“, sagt Winter.

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