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Neuer Hochschulname : „Neutral ist am besten“

  • -Aktualisiert am

Es war einmal: Das alte Logo der Berliner Hochschule für Technik Bild: Picture-Alliance

Wieso Studentin Kamila Kepys die Umbenennung ihrer Hochschule gut findet, und nicht unbedingt eine neue Namenspatronin favorisiert hat, erzählt sie im Interview.

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          Frau Kepys, warum haben Sie sich für die Beuth Hochschule für Technik entschieden?

          Ich habe vorher Schauspiel und Regie in Hamburg studiert, bin der Liebe wegen nach Berlin gezogen und darüber auch an einen Kleingarten gekommen. Das hat mich fasziniert. Ich wollte noch mal etwas Neues lernen, Theorie und Praxis verbinden, also auch mal Erde anfassen – das hat mir die Beuth Hochschule geboten. Ich habe vor meiner Immatrikulation nicht gegoogelt, wer Beuth war, mich aber zusammen mit vielen Studierenden, als die Diskussion über seinen Antisemitismus in vollem Gang war, schon gefragt, wieso das nicht vor der ersten Umbenennung genauer geprüft worden war. Antisemiten haben in einem Hochschulnamen nichts zu suchen.

          Wie gefällt Ihnen der neue Name, der nun bekanntgegeben wurde: Berliner Hochschule für Technik?

          Ich persönlich finde einen neutralen Namen wichtig, mit dem sich Frauen, Männer, Diverse – jedes Geschlecht identifizieren kann. „Berliner Hochschule für Technik“ verdeutlicht den Standort und die Ausrichtung, das ist doch okay. Das Kürzel BHT bleibt dabei erhalten, das macht schon aus Kostengründen Sinn. Dennoch finde ich es schade, dass mein Fachbereich in dem Namen verlorengeht, der ist ja gerade nicht nur technisch. Aber es kann auch nicht jeder zufrieden aus so einer Namensgebung herausgehen.

          Wie wurden Sie und die anderen Studierenden in den Prozess der Namensfindung eingebunden?

          Es gab eine AG, viele Diskussionen, und jeder Studierende durfte einen Namen vorschlagen. Da kam eine Menge zusammen – von Fantasienamen bis zu Unternehmern wie Elon Musk und Frauen wie Marie Curie oder die Fotografin Annie Leibovitz. Ich bin wie gesagt nicht unglücklich, dass es keiner dieser Vorschläge geschafft hat. Wir haben ganz unterschiedliche Studiengänge von BWL über Gartenbau bis Mechatronik, da hätte sich nicht jeder mit einem personenbezogenen Namen repräsentiert gefühlt.

          Kamila Kepys, 34, studiert im Bachelor „Gartenbauliche Phytotechnologie“ an der Beuth Hochschule für Technik Berlin. Zusammen mit anderen Studierenden hat sie dafür gekämpft, dass ihre Hochschule nicht länger nach C. P. W. Beuth benannt ist.
          Kamila Kepys, 34, studiert im Bachelor „Gartenbauliche Phytotechnologie“ an der Beuth Hochschule für Technik Berlin. Zusammen mit anderen Studierenden hat sie dafür gekämpft, dass ihre Hochschule nicht länger nach C. P. W. Beuth benannt ist. : Bild: Richard Kepys

          Beuth hätte die erste technische Hochschule mit einer Namensgeberin werden können. Wurden hier Chancen vertan?

          Das haben gerade jüngere Studentinnen schon so gesehen, sie wollten ein Zeichen setzen. Aber ich persönlich möchte gar nicht als Frau gesondert behandelt werden, sondern als Mensch. Ich möchte ja auch keine Anstellung aufgrund meines Geschlechts, sondern meiner Fähigkeiten bekommen. Frauen sollten unbedingt gestärkt werden, aber eher praktisch mit AGs, Unterstützung im Fall einer Schwangerschaft oder bei Übergriffen. Das finde ich wesentlich wichtiger für eine Hochschule als einen weiblichen Namen. Zudem gibt es bestimmt auch Frauen, die antisemitisch eingestellt waren, das ist ja nicht nur bei Männern das Problem.

          Auf die erste deutsche Universität mit einer Namensgeberin warten Sie also nicht ungeduldig?

          Das sollte dann schon eine Neugründung sein. Das Geld für eine Umbenennung sollte man lieber sparen und direkt den Studierenden zugutekommen lassen. Es geht ja auch um Traditionen und Identifikationen, die schon stattgefunden haben. Das kann man nicht einfach so zurückfahren, etwa bei Humboldt. Ein Studium an der HU, das ist auch ein Aushängeschild, Arbeitgeber können damit etwas anfangen. Und was den Frauenanteil in der Forschung angeht, so steigt er immer weiter: Wir sind schon mittendrin.

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