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Ausländisch Studierende : Zu Gast unter dem Weihnachtsbaum

  • -Aktualisiert am

Aiman Al Azazi (Mitte) mit seinen Gasteltern auf dem Weihnachtsmarkt. Bild: Privat

Allein unterm Christbaum, fernab der Heimat – eine triste Vorstellung. Ein Verein bringt ausländische Studierende mit deutschen Gastfamilien zusammen. Drei Studierende erzählen von ihren Erfahrungen.

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          Heiligabend allein im Studentenwohnheim, ein wahrhaft trister Gedanke. Weihnachten ist das Fest der Liebe und der Familie. Doch Studierende aus dem Ausland können in dieser Zeit oft nicht bei ihren Liebsten sein – weil diese weit weg wohnen und die Flüge teuer sind. Rund 400.000 Studierende aus dem Ausland sind derzeit an deutschen Hochschulen immatrikuliert, schätzt das Statistische Bundesamt.

          An sie richtet sich alljährlich ein Angebot des gemeinnützigen Bonner Vereins Experiment: Die Organisation ermöglicht den Studierenden über die Feiertage den Aufenthalt in einer deutschen Gastfamilie. Drei Studierende aus China, dem Jemen und Sudan berichten von ihrer ersten „deutschen“ Weihnacht, von ihren Erfahrungen mit Gänsebraten und Glühwein – oder davon, wie sie sich ihr erstes Weihnachtsfest in Deutschland vorstellen.

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          Ich studiere in China Germanistik und habe 2018 ein Austauschjahr an der Universität in Osnabrück verbracht. Vom 19. Dezember bis ins neue Jahr durfte ich die Familie Dahmen in Geldern besuchen. Mama Anna und Papa Michael mit ihren drei Kindern Lisa, Nick und Julius. Ich war sehr gespannt, wie Weihnachten gefeiert wird, denn in China feiern wir dieses Fest ja nicht. Unser wichtigstes Familienfest ist das Frühlingsfest, und ich muss sagen, da gibt es viele Parallelen. Die gesamte Großfamilie trifft sich, und vor allem die Kinder bekommen Geschenke, meist in Form von Geld. Es war schön, dass auch bei den Dahmens die Familie zusammenkam oder besucht wurde – Großeltern, Tanten, Onkel – und ich von allen sehr herzlich aufgenommen wurde.

          Wie auch bei uns beim Frühlingsfest wird an Weihnachten unheimlich viel gegessen. Und es war so lecker! An Heiligabend gab es Lachs und viele Plätzchen und Kuchen, auch Glühwein schmeckt mir jetzt. Einmal habe ich gebratenen Reis gemacht, das neue Lieblingsessen von Julius. Und meine Gastmutter Anna, die ursprünglich aus Polen kommt, hat mir auch gezeigt, wie man einige traditionelle polnische Gerichte zubereitet. Natürlich war ich sehr gespannt, wie die weihnachtlichen Traditionen konkret aussehen. Ich habe ja beispielsweise noch nie einen Tannenbaum geschmückt. Das hat mir gut gefallen.

          Weihnachtsparty mit Weihnachtshut: Yuting Zhu mit ihrer Gastschwester

          Ich fand es auch rührend, dass Anna mir einen Hut geschenkt hat, der mir auf einer Weihnachtsparty auf Schloss Geldern gut gefallen hat. Ich habe noch häufig Kontakt mit meiner Gastfamilie. Sie haben mir geschrieben, dass sie immer wieder an die schöne Zeit mit mir zurückdenken, und ich werde sie dieses Jahr in der Weihnachtszeit sehr vermissen. Sie waren so interessiert an der chinesischen Kultur, und ich konnte meine Deutschkenntnisse verbessern.

          Aiman Al Azazi (20) aus Sanaa, Jemen: „Hoffentlich spielen wir wieder Kniffel“

          Ich bin vor fünfzehn Monaten nach Deutschland gekommen und besuche in Leipzig das Studienkolleg, das mich auf mein Studium der Mechatronik an der Universität Clausthal vorbereitet. Ich habe sieben jüngere Geschwister und vermisse meine Familie sehr. Ich habe sie nicht mehr besucht, seit ich nach Deutschland gekommen bin. Deshalb war es sehr schön für mich, dass ich 2018 zur Weihnachtszeit zehn Tage in einer deutschen Gastfamilie in Neidenbach in der Nähe von Trier verbringen durfte. Auch in diesem Jahr werde ich wieder mit ihnen Weihnachten feiern. Meine Gasteltern heißen Marion Theis und Tobias Adams und sind beide unheimlich nett.

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