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Sprache an deutschen Unis : Denglisch ist ungeeignet

  • -Aktualisiert am

Mehrsprachigkeit ist das Ziel: Lektüre von Originaltexten Bild: imago/imagebroker

Die Einschläge in Deutschland kommen näher. Universitäten verlangen von Neuberufenen, dass sie bereit und in der Lage sind, auf Englisch zu lehren. Doch das wäre der falsche Weg.

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          Wer als Geisteswissenschaftler häufig jenseits des Ärmelkanals zu tun hat, kennt diese Reaktion: Kollegen fragen mit hochgezogener Braue, ob wir in Deutschland noch ganz bei Verstand seien. Wir hätten, heißt es dann meist, ein hochkompetitives Wissenschaftssystem auf dem Altar der Europäisierung geopfert und seien nun drauf und dran, das Deutsche aus den Hörsälen zu verbannen. Wie sollten sie da noch, ärgern sich die Kollegen, ihren wissenschaftlichen Nachwuchs davon überzeugen, die Sprache Goethes und Schillers zu lernen.

          Dafür, das Totenglöckchen für die Wissenschaftssprache Deutsch zu läuten, ist es zu früh. Lediglich 1519 der 20.053 Studiengänge in Deutschland werden in englischer Sprache gelehrt, und noch immer publizieren deutsche Wissenschaftler überwiegend in ihrer Muttersprache, jedenfalls in den meisten Geisteswissenschaften. Doch kommen auch aus Sicht der Humanwissenschaften die Einschläge näher. Universitäten verlangen von Neuberufenen, dass sie bereit und in der Lage sind, auf Englisch zu lehren. In Zielvereinbarungen wird festgeschrieben, dass soundsoviele Publikationen in internationalen – selbstverständlich anglophonen – Fachorganen zu publizieren seien. Drittmittelanträge sind auf Englisch vorzulegen; internationale Wissenschaftler arbeiten an deutschen Hochschulen, ohne selbst Grundkenntnisse der Landessprache zu erwerben. Da wirkt der Vorstoß des bayerischen Wissenschaftsministers Bernd Sibler, die Hochschulen seines Bundeslandes zu ermächtigen, nach Ermessen rein englischsprachige Studiengänge einzurichten, wie ein Weckruf auch für die Philosophischen Fakultäten: Wie lange noch wird das Deutsche als Wissenschaftssprache zu halten sein?

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