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Spätstudierende : Monika, Ü 40, Ersti

  • -Aktualisiert am

Spätzünderin mit Erfolg: Monika Gerundt hat nicht nur mit Mitte 40 zu studieren begonnen, sondern anschließend auch noch promoviert. Bild: Nerea Lakuntza

Man kann auch als längst Erwachsene das erste Mal studieren und sich unter all den Jüngeren sogar wohlfühlen. Es braucht aber ein Bewusstsein der eigenen Grenzen.

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          Monika Gerundt hat mitgenommen, was ein Studium der mittelalterlichen Geschichte zu bieten hat. Exkursionen nach Israel und Italien, zwei Wochen Summer School zur jüdischen Geschichte, Cocktailabende inklusive. „Aber auf die Ersti-Party bin ich nicht gegangen. Es gibt Grenzen“, sagt sie. Grenzen, die auch ein wenig mit Lebenserfahrung zu tun haben: Als Gerundt ihr Studium an der Universität Gießen aufgenommen hat, war sie fast so alt wie die Eltern ihrer Kommilitonen – 44 Jahre. Um keine Unsicherheiten im Austausch mit den anderen Erstis aufkommen zu lassen, bot Gerundt das „Du“ an: „Ich bin die Monika und auch Studienanfängerin, außer dem Alter habe ich euch nichts voraus.“

          Was nicht ganz stimmte: Zu dem Zeitpunkt hatte Gerundt schon zwei Semester als Gasthörerin hinter sich, eine Ausbildung zur Krankenschwester direkt nach dem Abitur, drei Kinder großgezogen und fast zwanzig Jahre lang den Haushalt gemanagt. Gerundts Ehemann hatte Karriere gemacht und war viel in der Welt unterwegs. Dass Gerundt wieder im Krankenhaus im Schichtdienst arbeiten könnte – daran war damals gar nicht zu denken. Zumal sie als Krankenschwester sowieso nicht richtig zufrieden gewesen war.

          Erst als die Kinder immer selbständiger wurden, hatte Gerundt Zeit, darüber nachzudenken, was sie eigentlich machen wollte. „Da ist mir die Decke zu Hause auf den Kopf gefallen“, sagt sie heute. Sie beschloss, dieses Mal etwas nur für sich selbst zu tun, und besann sich auf ihre Zugangsberechtigung zur Hochschule. „Ich will mir beweisen, dass ich das kann“, sagt sie.

          „Ich hatte halt ein Alleinstellungsmerkmal“

          Damit ist Gerundt eine Ausnahme an deutschen Unis – und passt doch genau ins Bild. Denn die Studierenden hierzulande werden immer jünger und älter zugleich. Durch das Abitur nach 12 Schuljahren und den Wegfall des Wehrdienstes ist die Zahl der Minderjährigen an den Hochschulen gestiegen und führte vor zehn Jahren bei insgesamt knapp 2,4 Millionen Studierenden erstmalig zu einem Durchschnittsalter von 23,2 Jahren. Die Vergleichsreihe des Statistischen Bundesamtes macht aber auch deutlich, dass in den letzten Jahren gerade viele ältere Studierende jenseits der 30 hinzugekommen sind. Sie haben den Altersdurchschnitt der inzwischen 2,9 Millionen Studierenden wieder leicht auf 23,4 Jahre angehoben. Über drei Prozent der Studierenden sind jetzt schon älter als 40.

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          In der Forschung fallen die älteren unter den sperrigen Sammelbegriff der „nichttraditionell Studierenden“ – und dort nicht sonderlich auf, obwohl sie als Antwort auf den demographischen Wandel gelten. Der Fokus liege auf dem Weiterbildungsbereich, sagt der Politologe Ulf Banscherus, der sich in seiner Doktorarbeit mit dem Label „Lebenslanges Lernen“ an deutschen Hochschulen befasst hat. Ein zweiter Forschungsstrang kümmere sich um die Studierenden ohne Abitur, zwei bis drei Prozent aller Studienanfänger. „Die meisten fangen im Alter von 25 und spätestens 35 Jahren ihr Studium an. Danach gibt es das eigentlich gar nicht mehr“, sagt der Bildungswissenschaftler der TU Berlin. Wer mit 45 und ohne jemals an einer Hochschule gewesen zu sein an der Uni neu beginnt, ist aus Sicht der Forschung eine absolute Ausnahme: „Wir reden hier von sehr kleinen Fallzahlen“, erklärt Banscherus.

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