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Debatte über Rassismus : Im Minenfeld der Moralisierung

Am Detail nicht interessiert: die Technische Universität Berlin Bild: Bildagentur-online/Schöning

Die Aufregung um die schwarze Professorin Maisha M. Auma zeigt lehrstückhaft die politischen Reflexe, die bei Rassismusvorwürfen greifen. Mit der Sache beschäftigt man sich erst gar nicht.

          7 Min.

          Der Vorwurf klingt ungeheuerlich: Womit wir es hier zu tun hätten, sei „plumper Rassismus gegen Weiße“, vorangetrieben von einer schwarzen Frau, die Professorin für Diversity Studies an einer deutschen Hochschule ist. Sie beklagt, deutsche Universitäten seien zu weiß und nicht divers genug – und das, findet ihr Kritiker, sei nichts anderes als „Lobbyarbeit für Einwanderer aus Afrika“. Sie müsse in die Schranken gewiesen werden. Die angeblich Diskriminierten hätten doch nur eines im Sinn: „eine Überprivilegierung ihrer Gruppen zu erreichen“. Und so habe eine schwarze Frau Professorin werden können, obwohl ihre Forschung niveaulos sei.

          Hannah Bethke

          Feuilletonkorrespondentin in Berlin.

          Adressatin dieser Anschuldigungen ist Maisha-Maureen Auma, Professorin für Kindheit und Differenz an der Fachhochschule Magdeburg-Stendal und derzeit Gastprofessorin am Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung an der Technischen Universität Berlin (TU). Ihr wütender Ankläger ist Hans-Thomas Tillschneider, Abgeordneter und Vizechef der AfD im Landtag von Sachsen-Anhalt und dort Sprecher für Wissenschaft, Bildung und Kultur. Tillschneider stammt aus Rumänien, ist habilitierter Islamwissenschaftler und gehörte, bevor sie aufgelöst wurde, zur rechtsextremen „Patriotischen Plattform“ der AfD. Kürzlich wurde bekannt, dass er vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

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