https://www.faz.net/-gyl-ajo92

Forschung und Lehre 2022 : Sieben Neujahrswünsche an die Hochschulen

Nahezu leere Hörsäle waren die letzten beiden Jahre aufgrund der Pandemie keine Seltenheit. Bild: Finn Winkler

Günstige Wohnungen für Studenten, weitere Durchbrüche im Kampf gegen Corona und keinen Zwang zum Gendern: Unsere Wünsche für die Rhein-Main-Hochschulen in 2022.

          5 Min.

          1. Dozenten vergeben keine Noten für das Gendern

          Angenommen, ein Student der Sozialen Arbeit soll in einer Klausur zeigen, dass er künftige Klienten auf zeitgemäße Weise anzusprechen weiß. Dann ist es dem Prüfer gestattet, für den Gebrauch von Formulierungen wie „Mitarbeitende“ oder „Hilfeempfänger:innen“ Punkte zu vergeben. So darf man wohl das Gutachten des Kölner Rechtswissenschaftlers Michael Sachs verstehen, das die Uni Kassel nach der Beschwerde eines Studenten in Auftrag gegeben hatte: Der angehende Lehrer hatte sich darüber beklagt, für den Gebrauch des generischen Maskulinums eine schlechtere Zensur bekommen zu haben.

          Sascha Zoske
          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Sachs’ Stellungnahme ist aber alles andere als ein Freibrief für Versuche, Anhänger traditioneller Ausdrucksformen durch Drohung mit einem Noten-Malus umzuerziehen: Der Juraprofessor stellt klar, dass die Gendersprache nicht wie etwa die Rechtschreibung als allgemeines Kriterium für das Beurteilen schriftlicher Arbeiten herangezogen werden sollte – dafür sei sie gesellschaftlich noch zu umstritten. Auch wenn ein Gutachten kein Gesetz ist: Alle Hochschullehrer tun gut daran, das Ausmaß verbal praktizierter „Geschlechtergerechtigkeit“ jedem Studenten selbst zu überlassen.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+
          Abschied aus München: Kardinal Ratzinger geht 1982 zur Glaubenskongregation nach Rom.

          Missbrauchsstudie : Was wusste Ratzinger?

          Am Donnerstag wird ein Gutachten zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche veröffentlicht. Es geht darin um einen Priester als Täter – und um die Rolle des vormaligen Papstes.