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Scheitern an der Uni : Unzufriedene Studienabbrecher

Manchmal läuft es einfach nicht so gut an der Uni Bild: Picture-Alliance

Wie sehr sich ein Studienabbruch auf das Berufsleben auswirkt, haben jetzt Ökonomen untersucht. Das Ergebnis: Die Uni nicht zu schaffen macht zwar unzufrieden – aber verhagelt nicht zwingend den Erfolg.

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          Ein Studienabbruch ist für die Betroffenen ein harter Einschnitt. Wie sehr er sich wirklich auf das Berufsleben auswirkt, haben jetzt Ökonomen am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim empirisch untersucht. Dazu haben sie Studienabbrecher mit Personen verglichen, die gar nicht erst studiert haben, obwohl sie über das Abitur oder eine andere Hochschulzugangsberechtigung verfügen.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Den noch unveröffentlichten Ergebnissen zufolge, die der F.A.Z. vorab vorliegen, sind die Studienabbrecher mit einer höheren Wahrscheinlichkeit unzufrieden mit ihrem Leben als diejenigen, die sich gar nicht erst an einem Hochschulstudium versuchten. Allerdings üben die Studienabbrecher trotz des Makels in ihrer Biographie mit einer höheren Wahrscheinlichkeit einen prestigeträchtigen Beruf aus als die Nichtakademiker. Mit Blick auf die Gehälter und die Wochenarbeitszeiten ergab sich hingegen kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen.

          Für ihre Studie nutzten die Forscher Längsschnittdaten des sozio-oekonomischen Panels aus dem Jahr 2016; die Daten stammten von insgesamt 1670 berufstätigen Personen zwischen 25 und 65 Jahren. Dabei rechneten sie mögliche andere Einflussgrößen wie den sozio-ökonomischen Hintergrund, demographische Merkmale und schulische Leistungen heraus.

          Akademiker erzielen höhere Gehälter

          Untersucht haben die Forscher auch, wie Studienabbrecher und Menschen ohne Studienabschluss im Vergleich zu denjenigen Personen dastehen, die ihr Studium beendet haben. Heraus kam: Wer einen akademischen Abschluss hat, erzielt im Schnitt signifikant höhere Bruttolöhne (plus 35 Prozent) und arbeitet rund 2,2 Stunden je Woche länger. Zudem erreichten die Akademiker ein höheres Berufsprestige und eine etwas höhere allgemeine Lebenszufriedenheit.

          Schätzungen zufolge verlassen in Deutschland drei von zehn Studierenden die Hochschule ohne Abschluss. Gelänge es, die Studienabbrecher noch stärker als bisher dabei zu unterstützen, ihr Studium am Ende auch zu schaffen, „wären im Mittel positive Wirkungen für die potentiell Betroffenen zu erwartet“, sagte Friedhelm Pfeiffer, kommissarischer Leiter des ZEW-Forschungsbereichs „Arbeitsmärkte und Personalmanagement“ und Mitautor der Studie.

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