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Universitäre Sammlungen : Schatzkammern der Wissenschaft

Kleinod aus der kunsthistorischen Sammlung: Sandro Botticellis „Die Krönung Mariens“ (um 1488) Bild: Universität Göttingen/Katharina

Die Hochschulen sollen kommunizieren, aber wie? Die Universität Göttingen hat ein vorbildliches Konzept entwickelt, wie man historische Gegenstände modern präsentiert und Forschung in die Öffentlichkeit trägt.

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          Von Wissenschaft wird heute erwartet, dass sie sich erklärt. Das ist nicht immer einfach, denn der größte Teil ihrer Arbeit ist für den Laien beim besten Willen nicht zu verstehen. Den schnell aus dem Boden geschossenen Populärformaten vom „Science Café“ bis zum „Scientific Boat Ride“ ist anzumerken, dass sie nicht aus innerer Motivation heraus entstanden sind. Ist die Barkasse wirklich ein guter Ort, um über das Weltbild der modernen Physik zu diskutieren?

          Thomas Thiel

          Redakteur im Feuilleton.

          Ein klassischer Ort für die Vermittlung von Wissenschaft ist das Museum. Es verfügt ganz von selbst über jene konzentrierte Atmosphäre, die für die Vermittlung von Objekten notwendig ist, an denen sich Erkenntnis festmacht. Von dort kann man stählerne Blicke in die Zukunft werfen wie in den Science Centern, die in Berlin und Wolfsburg entstanden sind, man kann aber auch den – wie immer fragmentarischen – Versuch wagen, das Ganze der Wissenschaft in den Blick zu nehmen. Dafür lohnt sich der Gang ins Archiv.

          2011 hat der Wissenschaftsrat darauf gedrungen, die akademischen Sammlungen, die in mehr oder weniger gutem Zustand in den Archiven schlummern, ans Licht zu heben. Das Bundeswissenschaftsministerium hat sich dem Appell angeschlossen. Seit das Ministerium den eigentlich recht gut ausgelasteten Wissenschaftlern auch noch die Popularisierung ihrer Erkenntnisse ins Pflichtenheft geschrieben hat, fragt man sich fieberhaft, wie beides zu verbinden ist.

          Verborgene Kunstschätze

          In Göttingen hat man sich schon länger darüber Gedanken gemacht. Seit der Gründung des „Academischen Museums“ im Jahr 1773 sitzt die Universität auf einem riesigen Schatz. Unter dem frühen Museumsleiter Friedrich Wilhelm Blumenbach wurden zahlreiche Sammlungen erworben, und weil Blumenbach ein Geschick für deren Präsentation hatte, wurde die Universität weltweit zum gelehrten Pilgerort. Die moderne Forderung, die Sammlungen nicht nur als Faszinosa, sondern auch als Instrumente von Forschung und Lehre zu verstehen, wurde damals fast schon übererfüllt. Aus den Sammlungen, die Reinhold und Georg Forster von ihrer Weltumseglung mit James Cook aus der Südsee mitbrachten, und den Sibirica, die der Baron Georg Thomas von Asch der Universität ebenfalls Ende des achtzehnten Jahrhunderts schenkte, wuchs mit der heute Ethnologie genannten Völkerkunde eine eigene Fachwissenschaft. Der Kunstsammlung, die von der reichen Schenkung Johann Friedrichs von Uffenbach profitierte, verdankte sich die erste Professur für Kunstgeschichte. Auch die Archäologie wurde in Göttingen auf der Basis von Gipsabgüssen antiker Skulpturen zur akademischen Disziplin.

          Während die Universitätsbibliothek expandierte, geriet die materielle Basis der Wissenschaft allerdings in Vergessenheit. 1868 wurde das Naturhistorische Museum aufgelöst, und die Sammlungen verteilten sich wieder in die Fachbereiche. Zwar werden sie weiter für Forschungen herangezogen, für die Öffentlichkeit sind sie wenn überhaupt aber nur wenige Stunden in der Woche zugänglich.

          Schon ein kurzer Blick in die Gemäldesammlung macht klar, warum das ein Verlust ist. Die Kuratorin der Kunstsammlung, Ann-Katrin Kohrs, verfügt über Kunstschätze, die jeden Museumsdirektor neidisch machen: 240 Gemälde von Lovis Corinth bis Paula Modersohn-Becker, 14 000 Druckgraphiken von Dürer bis Botticelli, Rembrandt bis Kandinsky, dazu Zeichnungen und moderne Videokunst. Anders als Museen hat Kohrs für die in vielen Fällen dringliche Restauration aber kein Geld. Und kunstsinnige Menschen mögen sich fragen: Warum sind die Bilder so selten zu sehen?

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