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Geringer Frauenanteil : Der Rückzug der Ingenieurinnen

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Minderheitensituation im Maschinenbau

Die anderen beiden Hochschulen, die exklusive Ingenieurstudiengänge für Frauen anbieten, sind allerdings von dem Konzept noch überzeugt: So eröffnete die Hochschule Ruhr West in Mülheim erst im vergangenen Jahr einen Frauenstudiengang für Maschinenbau. Nadine Hortscht studiert dort im dritten Semester. Für sie ist das Angebot vor allem eins: fortschrittlich. „Hier kann man total klischeebefreit studieren und Frauen, die vielleicht ein nicht ganz so großes Selbstbewusstsein haben, trauen sich hier mehr zu“, sagt sie.

Auch ihre Studiengangsleiterin Alexandra Dorschu betont, dass sie den Frauenstudiengang nach wie vor wichtig findet. „Der Frauenanteil im Maschinenbau stagniert, und Frauen sind dort in einer Minderheitensituation“, sagt sie. Im vergangenen Jahr haben sich an der staatlichen Fachhochschule in Mülheim 16 Frauen im Studiengang eingeschrieben, Platz wäre immerhin für sechzig. Es ist also noch Luft nach oben. Trotzdem – Alexandra Dorschu gibt sich zuversichtlich. Die Zielgruppe sei per Definition klein, und ob sich das Angebot lohne, werde sich in den nächsten Jahren zeigen.

68 Männer – aber nur zwei Frauen

Ebenfalls von dem Angebot überzeugt ist Oliver Jack von der Ernst-Abbe-Hochschule Jena, wo Frauen im Studiengang Elektrotechnik/Informationstechnik im Frauenstudienangebot studieren können. Auch hier ist die Zahl der Bewerberinnen klein. Aufgeben möchte der Professor mit den Schwerpunkten Echtzeitbetriebssysteme und Softwaretechnologie das Angebot aber deswegen nicht. „Ich lass da erst mal nicht locker“, sagt er. Das hat vor allem einen Grund: Im vergangenen Wintersemester haben sich 68 Männer und gerade mal zwei Frauen für den Studiengang Elektrotechnik eingeschrieben. Diese zwei studieren jetzt im Frauenstudiengang.

Gründe für die sinkenden Bewerberzahlen gibt es viele. Der Standort der Hochschulen spielt dabei sicher auch eine Rolle: Viele Frauen würden lieber in großen Städten wie Hamburg oder Berlin studieren, erzählt Ulrike Schleier. Eine weitere Ursache für die sinkenden Bewerberinnenzahlen bei den Frauenstudiengängen könne auch beim Marketing liegen: Frauenstudiengänge sind in Deutschland – anders als zum Beispiel in den Vereinigten Staaten – nicht besonders verbreitet und müssen deshalb besonders beworben werden.

Frauenstudium hat nichts mit Schutzraum

Ein anderer wichtiger Grund, warum Frauenstudiengänge in der Bredouille sind, ist ihr Ruf. Denn der ist nicht besonders gut, und zwar über das Image „altmodisch“ hinaus. „Wenn Frauen im Frauenstudiengang studieren, dann kommt schnell der Vorwurf auf, dass man es anders nicht geschafft hätte“, sagt Eva-Maria Mertens, die Gleichstellungsbeauftragte aus Stralsund.

Außerdem haben viele Kandidatinnen die Sorge, dass potentielle Arbeitgeber von Absolventinnen eines Frauenstudiengangs geradezu abgeschreckt sind. Diese Skepsis sieht Alexandra Dorschu von der Hochschule Ruhr West allerdings als unbegründet an. Trotzdem: Einige Hochschulen reagieren auf diese Befürchtung, indem sie entweder ganz auf den Vermerk „Hat im Frauenstudiengang studiert“ im Zeugnis verzichten oder die Studentinnen selbst wählen lassen, ob er auf dem Zeugnis stehen soll.

Allerdings trägt das nicht unbedingt dazu bei, mehr Bewusstsein für das Thema Frauenstudiengänge zu schaffen. Nadine Hortscht jedenfalls würde nicht auf den Zusatz „Frauenstudiengang“ verzichten: „Ich bin der Meinung, dass das kein Nachteil ist“, sagt sie. „Das Frauenstudium hat auch nichts mit einem Schutzraum zu tun, sondern eher damit, dass der Maschinenbau eine konservative Branche ist. Und da kann eine Förderung für Frauen nicht schaden.“

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