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Rolle der Wissenschaft : Die politisierte Virologie

  • -Aktualisiert am

RKI-Chef Lothar H. Wieler, Christian Drosten und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Bild: Imago

Auch in Pandemie und Klimakrise können naturwissenschaftliche Erkenntnisse nicht zur alleinigen Handlungsmaxime werden. Die Politik muss zwangsläufig mehr im Blick haben. Ein Gastbeitrag.

          6 Min.

          Corona-Pandemie und Klimakrise fordern nicht nur eine freiheitsverträgliche Rechtsetzung heraus, sondern auch die Bereitstellung wissenschaftlich fundierten Handlungswissens. Prozesse wissenschaftlicher Wissensgenerierung waren schon lange nicht mehr so eng mit politischen Entscheidungsverfahren verflochten, wie es derzeit der Fall ist. Wissenschaftliche Wissensgenerierung einerseits und politische Willensbildung andererseits sind in einer politischen Kultur, die ihre Entscheidungen als rational zu rechtfertigen versucht, unvermeidbar miteinander verzahnt. Weil Demokratie als egalitäres Projekt gleiche Urteilskraft im Politischen unterstellen muss, Wissenschaft aber unvermeidbar von qualifizierten Methoden, Expertise und damit privilegiertem Erkenntniszugang abhängt, bleiben Ambivalenzen und Spannungen stets erhalten. Sie lassen sich nur graduell wegmoderieren.

          Demokratie setzt als kollektive Selbstbestimmung stets Voluntarismus voraus, der aber keine rationalen Ergebnisse garantieren kann. Auch eine Politik der Hysterie, der Ressentiments oder der Realitätsverweigerung kann demokratische Wahlerfolge bescheren und prozedurale Legitimation schaffen. So hat die Pandemie eben nicht zu einer Herrschaft der Virologie geführt, sondern zu deren öffentlicher Politisierung. Wie schon in der Klimapolitik fanden sich zudem Kräfte, die verharmlosen und leugnen.

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