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Regelstudienzeit unterboten : Mit Vollgas durchs Studium

Immer ein paar Schritte voraus – Manche Studierende wollen schneller am Ziel ankommen als ihre Kommilitonen. Bild: Getty

Für viele Studierende wirkt die Regelstudienzeit wie eine ständige Bedrohung. Andere sehen sie als Einladung zum Wettbewerb. Wie ein Turbo-Studium funktioniert – und was es außer Fleiß kostet.

  • -Aktualisiert am
          6 Min.

          Wie oft ich während meines Bachelorstudiums auf einer Party war, das kann ich wahrscheinlich an zwei Händen abzählen“, sagt der 29 Jahre alte Sebastian Tideman. Das sei schon etwas peinlich. Er hat im Jahr 2011 begonnen, Betriebswirtschaftslehre an der Uni Bremen zu studieren. Im ersten Semester trieb ihn die Angst an, nicht gut genug für das Studium zu sein, sich ein riesiges Lernpensum aufzuhalsen. Überraschenderweise schrieb er sehr gute Noten. Das stachelte ihn an, noch mehr zu tun. „Die schlechteste Note während meines Bachelorstudiums war eine 1,7“, erinnert er sich. Seinen Bachelor schloss er nach nur fünf Semestern mit Bestnoten ab, danach begann er mit einer Sondergenehmigung seine Promotion – und schaffte diese in einer rekordverdächtigen Zeit von unter drei Jahren. Heute ist er Juniorprofessor an der Royal-Holloway-Universität in London.

          Für die Mehrheit der Studierenden ist schon die Regelstudienzeit kein erreichbares Ziel: Sie sieht vor, dass in jedem Semester Module im Wert von 30 ECTS-Punkten, kurz Credits, belegt werden, und beträgt im Bachelor meist sechs oder sieben Semester. Nur 38,1 Prozent der Studierenden schlossen im Jahr 2018 ihren Bachelor in der Regelstudienzeit ab, bei den Masterabschlüssen waren es noch weniger. Schon im Arbeitsleben, bevor die meisten anderen überhaupt erst mit dem Studium beginnen, steht der 19 Jahre alte Benedikt Olf. Er hat noch vor dem Abitur seinen Bachelor in Wirtschaftswissenschaften an einer Fernuni abgeschlossen und will im kommenden Sommersemester zusätzlich noch einen Bachelor in Wirtschaftsinformatik beenden. Derzeit arbeitet er bei einem Consulting-Unternehmen in Leipzig. In der sechsten Klasse hat Olf damit begonnen, zusätzlich zur Schule erst Kurse in Mathematik bis Abiturniveau und dann Uni-Kurse zu belegen. „Irgendwann habe ich mir dann das Ziel gesetzt, den Bachelor vor dem Abi zu machen“, sagt er.

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