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Politik an der Uni : Es ist Wahl, und keiner geht hin

  • -Aktualisiert am

Ein Blick in die Mensa am Frankfurter Campus Westend vor Corona Bild: Wolfgang Eilmes

Wohin man auch in Deutschland schaut: Hochschulpolitik interessiert in der Regel nur wenige Studenten. Woran liegt das?

          3 Min.

          Wenn bei Bundestagswahlen von einer geringen Beteiligung gesprochen wird, heißt das, der Anteil der Wahlberechtigten, die sich zur Urne begeben haben, bewegt sich zwischen 70 und 80 Prozent. Bei den Wahlen zum Studierendenparlament (Stupa) der Goethe-Universität in Frankfurt würde eine Partizipation dieser Größenordnung allerdings an ein mittleres Weltwunder grenzen.

          Nur rund 12 Prozent der Studierendenschaft gaben Anfang des Jahres ihre Stimme ab, um studentische Vertreterinnen und Vertreter zu wählen. Und Frankfurt ist kein Einzelfall. Überall in der Republik sind die Wahlergebnisse für studentische Gremien niedrig: Ob Köln, Freiburg oder Bremen, alle schaffen es bei den Stupa-Wahlen nur knapp über die 10-Prozent-Marke. An den Berliner Universitäten gelingt nicht einmal das.

          Warum ist das so? Immerhin betreffen Fragen der Hochschulpolitik die Studierenden doch direkt: von Bafög über bessere Lehre bis hin zu den Bibliotheksöffnungszeiten. David Delto ist Mitglied der Grünen Hochschulgruppe an der Goethe-Universität. Seit etwa einem Jahr sitzt er im Asta – der Studierendenregierung.

          System schwer zu durchschauen

          Er denkt, viele Studierende wüssten nicht, dass sie an der Universität selbst etwas bewegen können. „Die kommen aus der Schule, und da ist das Veränderungspotential ja wirklich sehr eingeschränkt“, sagt er. „Und mit diesem Gefühl kommt man auch an die Universität.“ Die Studierenden hielten ihre Studiumssituation einfach für gegeben.

          Klingt, als helfe da nur Aufklärungsarbeit. Delto sagt, man versuche besonders zu Studienbeginn, Infoveranstaltungen für Erstsemester zu organisieren. Allerdings bekämen die Neuen in den ersten Tagen und Wochen so viele Informationen, dass die Hochschulpolitik da schnell untergehen könne. Außerdem: Das hochschulpolitische System sei einfach nicht so leicht durchschaubar.

          Florine Miez ist ebenfalls im Frankfurter Asta aktiv und vertritt die Fachschaftsinitiative Demokratische Hochschule. Sie sieht die Verantwortung auch bei den Studierenden selbst: „Ich denke, es ist eine Mischung: Die Leute fühlen sich zu wenig informiert, andererseits informieren sie sich auch selbst nicht genug.“ Sie hat die Erfahrung gemacht, dass viele einfach keine Lust hätten, obwohl sie durchaus von den Aktivitäten der studentischen Gremien wüssten.

          Abhängig von Regelstudienzeit und Bafög?

          Zum Beispiel plane sie für den Asta mehrmals im Jahr Veranstaltungen: „Und da sieht man schon sehr viele Leute, die dann immer zu den Partys oder zum Sommerfest kommen, aber sich nicht wirklich engagieren oder anderweitig informieren.“ Sind die Studierende in der großen Masse also einfach unpolitisch? Delto sagt, er finde das schwer einzuschätzen. Aber er könne sich schon vorstellen, dass es eine Wechselwirkung zwischen gesamtgesellschaftlicher Entpolitisierung und Hochschulpolitik gebe.

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