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Plagiat und Abwägung : Achtung, Fußnote!

  • -Aktualisiert am

Copy und paste? Bloß keine Plagiate! Bild: Picture-Alliance

Die neue Strategie, Plagiate zu rechtfertigen, indem man sie als Fußnotenfehler darstellt, bleibt vor den Verwaltungsgerichten erfolglos. Es gibt in den meisten Fällen weit weniger abzuwägen, als oft behauptet wird.

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          Trotz intensiver Plagiatsaufarbeitung in der deutschen Wissenschaft werden weiterhin neue Rechtfertigungsstrategien entworfen. Von der Behauptung, es sei alles weniger schlimm, wenn nur Teile einer Arbeit betroffen sind, bis zum Verweis auf die Kunstfreiheit, die schließlich auch Collagen wie Samples in der Musik umfasse, sind sich Täter und ihre Verteidiger für keine Entgegnung zu schade. Erfolg haben sie damit vor den Verwaltungsgerichten nicht. Plagiate über der Erheblichkeitsschwelle verstoßen gegen die Prüfungsordnung und erlauben den Entzug eines Doktortitels sowie die Ächtung des Werkes.

          Nun wird dagegen ein neues Argument vorgebracht, bei dem Plagiate als Fußnotenfehler verharmlost und zugleich mit der vermeintlichen Originalität eines Textes verrechnet werden. „Juristen und Wissenschaftler sollten sich von der öffentlichen Diskussion nicht irremachen lassen“, meint der Bielefelder Staatsrechtler Andreas Fisahn in der „Neuen Juristischen Wochenschrift“ und fordert, man solle darauf dringen, „dass der Erkenntnisgewinn einer Arbeit bei deren Bewertung mindestens ebenso zu berücksichtigen ist wie der Fußnotenapparat“. Letztendlich sei alles eine Frage der Abwägung. Und diese Abwägung sei im Fall der Darmstädter Soziologin Cornelia Koppetsch „ganz offensichtlich unterblieben“, kritisiert Fisahn, der bislang nicht mit Expertisen zum Thema Wissenschaftsbetrug aufgefallen war.

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