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Philosophie-Studentin : „Online-Lehre ist keine Alternative“

Der Leiter des Hausdienstes, Ingo Voigt, geht durch die Stuhlreihen eines Vorlesungssaales an der Universität Hildesheim. Bild: dpa

Philosophiestudenten sitzen oft einsam am Schreibtisch? Lernen auf Distanz stört sie nicht? Ein Vorurteil, sagt eine Master-Anwärterin im Interview.

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          Frau Haase, Sie studieren in Hildesheim Philosophie. Wie wird Ihr Wintersemester laufen?

          Nadine Bös
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Der offizielle Terminus ist „Hybrid-Semester“. Es soll, soweit möglich, Präsenzveranstaltungen geben. Aber es heißt, alle sollen sich darauf einstellen, dass weiterhin sehr viele Seminare online stattfinden.

          Was befürchten Sie dabei konkret?

          Dass sich diese Online-Lehre nicht auf die aktuelle Notlage beschränken könnte. Aber für mich ist das keine Alternative! Digitaler Unterricht hat natürlich viele Vorteile, gerade wenn es darum geht, dass wir in der Pandemie Probleme haben mit menschlichem Kontakt. Es hat auch den Vorteil, dass ich in Hildesheim mal eben eine Vorlesung aus Berlin hören kann.

          Aber?

          Den Verantwortlichen wird sicher auffallen, dass man mit digitaler Lehre auch Geld und Ressourcen spart, unabhängig von der Notlage. Deshalb müssen wir jetzt schon diskutieren, welche Bedeutungsverschiebungen mit einer Veränderung der Lehre einhergehen: Verlegt sich die Universität langfristig auf digitale Räume?

          Was hieße das mit Blick auf Ihr Fach, die Philosophie?

          Ich hielte das für hoch problematisch. Das gilt für alle Fächer, die ich als performative Praktiken bezeichnen würde. Und darunter fällt für mich auch die Philosophie.

          In Philosophie sitzt man doch vor allem einsam am Schreibtisch...

          Auch in der Zeit, in der ich scheinbar einsam lese und schreibe, ist Philosophie immer eine dialogische Praxis, weil ich mich ja auseinandersetze mit anderen Menschen. Ich bin, wenn ich philosophiere, nie komplett alleine!

          Was fehlt, wenn der Bildschirm dazwischen ist?

          Bei uns an der Universität ist es oft noch nicht mal ein Bildschirm. Es finden fast alle Seminare als reine Audioseminare statt, vor allem weil die Systeme schnell überlastet sind. Aber selbst wenn ich die Gesichter der anderen sehen würde: in einem Onlineseminar übermitteln wir vor allem Worte. Wir vermissen unsere leibliche Präsenz im Raum, die Umstände, wie wir miteinander reden. Das hat maßgeblich Anteil am Gehalt eines Gesprächs.

          In der Vergangenheit hat Philosophieren auch oft auf Distanz funktioniert – über Artikel und Briefe.

          Aber Philosophie ist nicht gleich philosophische Lehre! Ich selbst bin bald fertig mit dem Studium, mich betrifft es nicht mehr so sehr. Aber ich sorge mich um diejenigen, die neu an die Universität kommen und nur noch digital lernen. Wie verstehen sie dann dieses Fach?

          Lisa Haase (27 Jahre) studiert im Masterstudiengang Philosophie und Musik an der Universität Hildesheim.

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