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Hybrid-Lehre im Wintersemester : Sehnsucht nach dem Sozialen

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Zur Ruhe musste im Sommersemester nur selten gebeten werden, etwa im Studio zur Produktion digitaler Inhalte Bild: dpa

Zum Start ins möglichst hybride Wintersemester werten die Hochschulen ihre Erfahrungen mit der Online-Lehre aus – und entdecken den Studenten als soziales Wesen wieder.

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          Eigentlich könnten die deutschen Hochschulen richtig stolz auf sich sein: Der Corona-Lockdown des Sommersemesters 2020 hat sie innerhalb weniger Wochen aus dem analogen in das digitale Zeitalter der Lehre geschleudert. Eine aktuelle Befragung des Stifterverbandes und McKinseys zeigt, dass im vergangenen Wintersemester gerade einmal zwölf Prozent der Lehrangebote digital stattfanden. Die Pandemie habe diesen Anteil auf mehr als neunzig Prozent erhöht – eine Entwicklung, die von sechzig Prozent der befragten Dozenten und Studenten positiv bewertet wurde. Dennoch wollen die gleichen Hochschulen, die sich gerade erst für die Bewältigung des digitalen Sommers lobten, wieder zurück in den Präsenzbetrieb. So viel Präsenzlehre wie möglich wird für das jetzt beginnende oder gerade begonnene Wintersemester angestrebt, auch wenn das neue Format der „Hybriduniversität“ enorme Kosten verursachen sollte. Ist der kurze Sommer der digitalen Hochschule schon wieder zu Ende?

          Von der „Entbehrung des Sozialen“ sprach Sabine Kunst bei der Vorstellung des Berliner Stufenplans für den Hochschulbetrieb der Hauptstadt unter Pandemiebedingungen. Das war allerdings noch vor der Erklärung Berlins zum Corona-Hotspot. Die Präsidentin der HU gab damit einem Bedürfnis Ausdruck, das repräsentativ sein dürfte für die aktuelle Gefühlslage unter Dozenten und Studenten. Aber ist es mehr als die berechtigte Sehnsucht nach Normalität? Dass man mit der Wiedereröffnung besondere Risiken eingeht, ist den Hochschulleitungen natürlich bewusst – nicht nur in Berlin. Schließlich steigen die Infektionszahlen in keiner Bevölkerungsgruppe derzeit schneller als unter den jungen Erwachsenen. Die Hybriduniversität mit ihrem Mix aus streng geregeltem Vor-Ort-Betrieb und der Arbeit zu Hause am Bildschirm wird Studenten, Dozenten und insbesondere die Verwaltungen auf jeden Fall vor enorme Herausforderungen stellen – und jederzeit von coronabedingten Schließungen bedroht sein.

          Zwei Bilanzen des Online-Semesters

          Dieses unbestreitbare Risiko und die Digitalisierungsfortschritte des Sommersemesters hätten also durchaus ausgereicht, zumindest vorläufig auf die Priorisierung des Präsenzbetriebes weiter zu verzichten. Dass dieser Verzicht dennoch als nicht länger durchhaltbar gilt, wird aktuell insbesondere mit den Ergebnissen der McKinsey-Befragung und den Befunden einer aktuellen Studie der Universität Hildesheim zum Studieren unter Corona-Bedingungen legitimiert. Man kann diese Umfragen als ein deutliches Plädoyer für die Rückkehr in die Hörsäle lesen – aber nur, wenn man zahlreiche andere Einsichten daraus außer Acht lässt.

          Für die Hildesheimer Befragung „Studieren digital in Zeiten von Corona“ (Stu.diCo.) wurden zum Ende des Sommersemesters bundesweit 2350 Online-Fragebögen ausgewertet. Das Problem mit dieser Studie ist ein methodisches: Befragt wurden ausschließlich Studenten, Dozenten wurden nicht einbezogen. Die so gewonnene Stichprobe hat kuriose Mängel: 76 Prozent der Befragten sind weiblich, sie studieren zu 39 Prozent in Hildesheim, und Lehramtsstudenten sowie die Sprach- und Kulturwissenschaften sind deutlich überrepräsentiert. Deshalb sollte man vielleicht etwas zurückhaltend mit dem Befund umgehen, dass sechzig Prozent dieser Studenten angegeben haben, die Aussicht auf ein weiteres digitales Semester schlecht zu empfinden.

          Andererseits sagten achtzehn Prozent, diese Aussicht weder gut noch schlecht zu finden, und immerhin 22 Prozent gaben an, diese Möglichkeit sogar gut bis sehr gut zu finden. Ganz ähnlich die Ergebnisse der Stifterverband-Umfrage, an der 1800 Lehrende und 11.000 Studenten teilgenommen haben. Rund sechzig Prozent der Teilnehmer gaben hier an, mit der Umstellung auf digitale Lehrformate durchaus zufrieden zu sein. In Hildesheim sagten zwar 44 Prozent der Studenten, im Sommersemester weniger Veranstaltungen besucht zu haben als sonst. Demgegenüber äußerten sich aber 37 Prozent, sie hätten genauso viele Veranstaltungen geschafft, während sechzehn Prozent sogar an mehr als sonst teilgenommen hatten. Warum? Weil die Zwangsdigitalisierung ihnen eine bessere Integration des Studiums in den Alltag ermöglicht hätte, gerade weil das soziale Leben an der Universität zum Erliegen gekommen sei.

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