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Zugang nach Schnelltest : Österreich sperrt die Unis wieder auf

Zutritt nur mit negativem Testergebnis und Maske: Das gilt bald an der Uni Wien und im Rest des Landes. Bild: dpa

Nach Ostern werden an den Hochschulen ähnliche Regeln gelten wie beim Friseur. Mit der Öffnung sollen auch die psychischen Belastungen der Pandemie gelindert werden.

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          Es war eine Falschmeldung mit Folgen, die Anfang März in Österreichs Hauptstadt in Umlauf war. Zehntausende Impfdosen gegen das Coronavirus stünden für „Bildungspersonal/Kindergartenpädagog*innen und Mitarbeiter*innen von Bildungseinrichtungen“ bereit. Also auch für die Mitarbeiter der Hochschulen. Interessenten sollten sich melden. 35.000 taten das auch. Doch diejenigen, die für die Hochschulen in Wien arbeiten, freuten sich zu früh: Das Angebot bezog sich nur auf Schulen, Kindergärten und -horte.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Ein kleiner Shitstorm folgte. Schließlich lenkte Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) ein: Auch die Hochschul-Mitarbeiter konnten sich nun mit dem Vakzin von Astra-Zeneca impfen lassen. Studenten hat das Hin und Her nicht viel gebracht. Sie werden noch länger auf ihre Spritze warten müssen – junge Leute sind erst später dran, der Gesundheitsminister verspricht allen Österreichern eine Impfung bis zum Sommer. Trotzdem soll das Studium per Zoom in Österreich nun teilweise ein Ende finden. Das Prinzip „Zugang nach negativem Testergebnis“ wird im Land schon seit Anfang Februar mit Hunderttausenden von kostenfreien Tests Tag für Tag beim Friseurbesuch praktiziert. Warum also Studenten weiter vorenthalten, was bei „körpernahen Dienstleistungen“ funktioniert?

          Nach Ostern sollen sie wieder zu Vorlesungen, Klausuren, Laborübungen und Seminaren an die Unis kommen können, wenn sie sich vorher einem Schnelltest unterzogen haben, der anders als ein Selbsttest von Fachpersonal gemacht wird. „Große Vorlesungen werden sich aber nicht ausgehen“, schränkte der parteilose Bildungsminister Heinz Faßmann, vor seiner Ministerzeit selbst Vizerektor an der Universität Wien, ein. Das liege weniger an zu kleinen Hörsälen als an den begrenzten Zu- und Abgängen. Das Risiko, dass sich dort die Studenten zu nahe kämen, sei angesichts der erwartbaren Infektionslage auch im Sommersemester 2021 zu hoch.

          Bestenfalls ein Drittel in Präsenz

          Tilmann Märk, Rektor der Uni Innsbruck, warnt indes vor zu großen Erwartungen an Präsenzveranstaltungen. Er rechne nicht damit, dass es im gerade begonnenen Sommersemester noch Vorlesungen mit vielen Studenten zusammen in einem Saal geben werde. Bestenfalls könne man nach Ostern ein Drittel der Lehrveranstaltungen in physischer Anwesenheit organisieren. Sabine Seidler, die Präsidentin der Universitäten-Konferenz, stellte in Aussicht, dass größere Präsenzprüfungen etwa in den Rechtswissenschaften wieder stattfinden könnten.

          Finanziert wird das Testen von der Regierung. Sie gibt eine Million Euro zu jenem 20-Millionen-Euro-Paket hinzu, das die Unis zur Bekämpfung der Pandemiefolgen bekommen hatten. Gegebenenfalls gebe es auch mehr Geld. Zufrieden sind die Hochschulen dennoch nicht. Die Betriebe erhielten für jeden durchgeführten Test zehn Euro, klagen sie – das ist ein Vielfaches dessen, was die Unis bekommen. Die Schnelltests werden es Tausenden von Erst- und Zweitsemestlern ermöglichen, ihre Uni überhaupt erst richtig kennenzulernen. „Es gibt Studienanfänger, die ihre Hochschule noch nicht von innen gesehen haben“, sagt die 25 Jahre alte Jura-Studentin Sabine Hanger, die als Vorsitzende der Österreichischen HochschülerInnenschaft die mehr als 35.0000 Studenten im Land vertritt.

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