https://www.faz.net/-gyl-9r513

Neue Nachwuchsprofessuren : Mehr Planbarkeit für die klügsten jungen Köpfe

Mehr Nachwuchsprofessoren für Deutschlands Hörsäle. Bild: dpa

Junge Wissenschaftler dürfen sich freuen. Für sie soll der Weg zur Lebenszeitprofessur besser planbar und transparenter werden. 532 neue Langzeitstellen wurden geschaffen.

          3 Min.

          Mit dem Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses wollen Bund und Länder jungen Nachwuchswissenschaftlern früher als bisher die Aussicht auf eine Lebenszeitprofessur geben. Am Donnerstag haben sie in Berlin die 532 neuen Nachwuchsprofessuren an 52 Hochschulen bekanntgegeben. Von Tenure-Track-Stellen ist die Rede, ein Begriff, der aus dem Amerikanischen stammt. Damit werden jetzt insgesamt 1000 solcher Professuren in einem Förderzeitraum von 2017 bis 2032 mit einer Gesamtlaufzeit von 13 Jahren pro Universität gefördert. Alle Universitäten, aber auch Kunstakademien und Pädagogische Hochschulen konnten sich darauf bewerben. In der ersten Bewilligungsrunde 2017 wurden bereits 468 Tenure-Track-Professuren vergeben.

          Die Förderung selbst wird über einen Projektträger des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) abgewickelt, der von den in der ersten Runde bereits geförderten Universitäten auch heftig kritisiert wird. Das BMBF beschäftigt für die unterschiedlichen Förderformate verschiedene Projektträger. Von den zu Fördernden werden diese als sehr unterschiedlich kooperativ wahrgenommen.

          Weltweiter Wettbewerb

          „Ich freue mich sehr, dass wir heute die geförderten Tenure-Track-Professuren der zweiten Bewilligungsrunde bekanntgeben können“, sagte der Vorsitzende der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz, Konrad Wolf. Er ist Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz. Mit dem Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses hätten Bund und Länder die Karrieremöglichkeiten des hochqualifizierten wissenschaftlichen Nachwuchses entscheidend verbessert. Die damit neu geschaffenen Tenure-Track-Professuren würden Generationen junger Wissenschaftler dauerhaft zur Verfügung stehen. „Darüber hinaus wird ein Kultur- und Strukturwandel in den Hochschulen eingeleitet: Die Förderung hat eine ganz neue Dynamik in das Tenure-Track-System in Deutschland gebracht“, so Wolf. Mit dem Tenure-Track-Programm stellten sich Bund und Länder dem weltweiten Wettbewerb um die klügsten jungen Köpfe. Für viele junge Wissenschaftler soll damit der Weg zur Lebenszeitprofessur besser planbar und transparenter werden.

          „Ich freue mich, dass die Universitäten das Tenure-Track-Programm so gut angenommen und auch in der zweiten Auswahlrunde wieder qualitativ hochwertige Konzepte vorgelegt haben. Den Erfolg der ersten Runde können wir nun fortsetzen“, sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) in Berlin. Durch die Förderung der zusätzlichen Professuren wollen Bund und Länder die Tenure-Track-Professur als eigenständigen Karriereweg neben dem herkömmlichen Berufungsverfahren auf eine Professur dauerhaft und breit an deutschen Universitäten etablieren. Es wird aber auch weiter die Habilitation als Qualifikation für die unbefristete Professur geben. In einigen Fächern, etwa Natur- und Technikwissenschaften, spielt sie allerdings eine deutlich geringere Rolle.

          Ein Erfolg für Universitäten

          Die Universitäten mussten im Rahmen der Antragstellung Gesamtkonzepte vorlegen - mit systematischen Überlegungen zur Weiterentwicklung der Personalstruktur und der Karrierewege für Nachwuchswissenschaftler. Der Bund stellt hierfür bis zu eine Milliarde Euro bereit, die Sitzländer der geförderten Hochschulen stellen die Gesamtfinanzierung sicher. Die Länder verpflichten sich dazu, dass der mit dem Programm erreichte Umfang an Tenure-Track-Professuren auch nach dem Ende des Programms erhalten bleibt. Zugleich haben die Länder zugesagt, die Zahl der unbefristet beschäftigten Professoren an ihren antragsberechtigten Universitäten dauerhaft um 1000 zu erhöhen.

          Zu den in der zweiten Runde erfolgreichen Universitäten gehören die TH Aachen, die Filmhochschule Babelsberg, die Universität Bamberg, die drei Berliner Universitäten sowie die Charité, die Universitäten in Bonn, Bochum, Bremen, Chemnitz, Darmstadt, Duisburg-Essen, Erfurt, Flensburg und Freiburg sowie die Pädagogischen Hochschulen in Freiburg, Karlsruhe, Ludwigsburg und Schwäbisch Gmünd, die Universitäten in Kiel, Konstanz, Leipzig, Mainz, Marburg, Siegen, Stuttgart, Tübingen, die Universität München und die Akademie der Bildenden Künste München. Die Freie Universität in Berlin strebt langfristig an, etwa ein Viertel der jährlich ausgeschriebenen Professuren nach dem Tenure-Track-Verfahren zu besetzen und dabei insbesondere den Anteil von Frauen auf Universitätsprofessuren zu steigern.

          Weitere Themen

          Die Handschrift ist nicht alles

          Neue Metastudie : Die Handschrift ist nicht alles

          Wie sehr sollen und müssen Schüler noch lernen, mit der Hand zu schreiben. Darüber wird viel gestritten. Forscher aus Köln haben nun die vorhandenen Studien zum Thema neu ausgewertet.

          Der Schädelknochen aus dem Drucker

          Start-up-Gründer : Der Schädelknochen aus dem Drucker

          Mit ihrer Kompetenz im Maschinenbau und der Werkstoffkunde haben zwei Techniker aus Wien ihr Start-up Lithoz als führenden Anbieter für 3-D-Druck von Hochleistungskeramik etabliert.

          Topmeldungen

          Erledigen Sie die Spieler des gegnerischen Teams: Szene aus dem Handyspiel Call of Duty Mobile

          Anschlag von Halle : Vom Ballerspiel zum Mordanschlag

          Stephan B. wollte seine Attacke in Halle aussehen lassen wie ein Videospiel. Eine Spurensuche in einer Welt, in der alles nur ein Witz sein kann – oder bitterer Ernst.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.