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Freiheit der Wissenschaft : Weltschmerz in der Führungsetage

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Typisches Berufsrisiko eines Professors? Bernd Lucke wurde am 16. Oktober 2019 bei seiner Rückkehr an die Universität Hamburg unfreundlich begrüßt. Bild: dpa

Wie kommen namhafte Ordinarien massenhaft darauf, die Wissenschaftsfreiheit für bedroht zu halten? Für die große Mehrheit der Wissenschaftler ist sie ein Privileg der Mächtigen.

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          Das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit, dessen Gründung am 3. Februar 2021 bekanntgegeben wurde, weist fünf Monate später 546 Mitglieder aus, von denen 442 einen Professorentitel führen. Sie eint die in den Verlautbarungen des Vereins nur pauschal belegte Sorge, dass der Meinungsspielraum an den höheren Lehr- und Forschungsinstituten Deutschlands enger werde. Die mediale Dauerpräsenz vieler der vermeintlich geächteten Andersdenker macht ihre Vorwürfe nicht solider. Vom „Versuch, Forschung und Lehre weltanschaulich zu normieren und politisch zu instrumentalisieren“, ist beim Netzwerk die Rede, von aktivistischen Versuchen, die Verfassung auszuhöhlen und den Rechtsstaat zu unterwandern.

          Dass es auch und vielleicht gerade im Wissenschaftsbetrieb Scheinheiligkeit, Starrköpfigkeit und karrieristische Diffamierungen gibt, ist unbestritten. Auch entgleiste Debatten gehören zum Alltag unserer Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Doch wenn die Lage neuerdings so besonders dramatisch ist, woran liegt dann die Schwierigkeit, genau anzugeben, woher der militante Sturm weht? Gegen wen wird zur Selbstverteidigung aufgerufen? Das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit will doch eine Frühwarnfunktion wahrnehmen. Das Frotzeln gegen die ja keineswegs nur aktivistischen, überdies wenigen gender- und postkolonialen Forschungsansätze wirkt jedoch hilflos; ebenso die Pseudoamerikanisierung hiesiger Diskurse und Hochschulwirklichkeiten.

          Selbst die sehr gut untersuchten Phänomene der sogenannten Identitätspolitik ließen sich sowohl in ihren theoretischen Beiträgen wie in ihren gesellschaftlichen Wirkungen ordentlich vergleichen und durchaus wissenschaftlich diskutieren. Das setzte aber voraus, Gleichstellungs-, Minderheiten- und Diversitätspolitik von ihrer äußerst differenzierten Erforschung zu unterscheiden. Identitätspolitische Deutungen hingegen rundherum als dumme Provokationen und Zumutungen für jede „echte Wissenschaft“ zu lesen gerät schnell selbst zum Ausdruck der beklagten Ideologisierung.

          Martenstein und Nuhr verbreiten das Gerücht

          Die aufgekratzte Debatte ist keine, wenn alle Beteiligten sich nur als vorsätzlich Marginalisierte inszenieren und als vermeintlich Mundtote umso lauter klagen. Es wirkt zurechtgelegt, mutieren ausgerechnet die lebendigsten und allgemeinsten Debatten zum Ausweis einer immer stärker unterdrückten Wissenschaftsfreiheit. Beliebte Kommentatoren wie Jan Fleischhauer, Harald Martenstein oder Dieter Nuhr greifen den Befund auf und verstärken ihn zum Klischee aggressiver Denk- und Redeverbote. Die für die politische Öffentlichkeit typischen Diskriminierungen, Verletzungen und Verleumdungen werden dabei auf „die Wissenschaft“ projiziert.

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