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Nebenjobs in der Krise : Plötzlich selbständig

  • -Aktualisiert am

Nadine Luck, Autorin des Buchs „Selbständig in Teilzeit“, findet es nicht grundsätzlich schlecht, die eigene Arbeit erst mal über Plattformen zu vermarkten. „Der Einstieg dort ist sehr leicht, und man kann schnell erste Erfahrungen sammeln“, ordnet sie ein. Allerdings müsse man bedenken, dass es dort durchaus vorkomme, dass man mit seinem Stundenlohn unter Mindestlohnniveau bleibe. „Niemand sollte seine Arbeit so geringschätzen“, sagt sie dazu. Darum sollte man nicht dauerhaft auf diese Art von Plattformen setzen und sich außerhalb einen Kundenstamm aufbauen.

Viele Studierende wollen in der Krise Vollzeit arbeiten

Grundsätzlich hält sie es aber für sinnvoll, schon so früh in eine mögliche Selbständigkeit einzusteigen. „Im Studium ist man häufig noch nicht darauf angewiesen, mit einer Selbständigkeit den Lebensunterhalt zu verdienen“, sagt sie. Zusammen mit geringeren Lebenshaltungskosten sei das eine gute Zeit, um Dinge auszuprobieren. Man könne dann Schritt für Schritt lernen, mit den Herausforderungen umzugehen, und sei nicht vollkommen darauf angewiesen, dass alles klappe.

„Für einige Studierende kann das natürlich auch eine Doppelbelastung sein“, gibt sie zu bedenken. Auch jetzt während Corona hält sie es nicht für unmöglich, sich ein eigenes Projekt aufzubauen. „Es braucht vor allem Mut, für die eigenen Ideen einzustehen, Kreativität und Durchhaltevermögen“, meint sie. Hinzu komme immer auch ein gewisser bürokratischer Aufwand.

Eckhardt Köhn von der Jobmensa glaubt nicht, dass sich der Arbeitsmarkt so schnell entspannt. Während auf seiner Plattform normalerweise rund 8000 offene Stellen ausgeschrieben sind, sind es gerade nur noch 6500. Manche Branchen wie der Tourismus oder die Gastronomie lägen noch fast ganz still. Dass Studierende nicht wirklich fehlende Erntehelfer ersetzen können, war Köhn von Anfang an klar: Da passe zum einen oft der Lohn nicht, außerdem suchten Studierende eher Jobs in großen Städten, die gut erreichbar sind – landwirtschaftliche Betriebe, zu denen man häufig nur mit dem Auto kommt, gehören nicht dazu.

„Es liegt in meiner Hand, wann ich wie viel arbeite“

„Neben dem zurückgegangenen Angebot an Jobs können wir bei vielen Studierenden in Anstellung einen Vollzeiteffekt beobachten“, erzählt Köhn. Weil die Studierenden nur Online-Vorlesungen haben und viele damit nicht im gleichen Maß ausgelastet sind wie normalerweise, wollen sie deutlich mehr arbeiten – ein Effekt, der sonst hauptsächlich in den Semesterferien vorkommt.

Aber obwohl es für viele Studierende schwierig ist, gerade einen Job zu finden, gibt es Branchen, die noch immer stark nachgefragt werden: Köhn sieht das vor allem in der Logistik, aber auch im Lebensmitteleinzelhandel werden weiterhin zusätzliche Arbeitskräfte benötigt. „Der ganze IT-Bereich wird außerdem noch gefragter“, meint er. Technikaffine Studierende können demnach also sogar von der Krise profitieren.

Auch wenn ihr Master in Management bald beginnt, möchte Kira von Bredow gerne weiter online Dienstleistungen anbieten. Sie schätzt das konstruktive Feedback von ihren Kunden und dass die Arbeit meist spannend sei, sie in vielen der Projekte etwas lerne und sich weiterentwickeln könne. Der größte Vorteil ist für sie aber die volle Flexibilität: „Das ist gut mit allem kombinierbar, und es liegt in meiner Hand, wann ich wie viel arbeite“, erzählt sie.

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