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Nebenjobs in der Krise : Plötzlich selbständig

  • -Aktualisiert am
Die 23 Jahre alt Studentin Kira von Bredow arbeitet als selbständige Assistentin.
Die 23 Jahre alt Studentin Kira von Bredow arbeitet als selbständige Assistentin. : Bild: Fiverr

Etwa die Hälfte ihrer Kunden kommt aus Deutschland, die andere ist international verteilt. Seit zwei Monaten arbeitet von Bredow nun selbständig von zu Hause und ist sehr zufrieden. Gerade in Zeiten von Kontaktbeschränkungen sind das gute Voraussetzungen. Die Arbeitszeit hat sich auf ungefähr 20 Stunden pro Woche eingependelt, die kann sie sich selbst einteilen, so dass von Bredow nebenher noch flexibel Dinge für die Uni erledigen kann. „Ich habe das alles in der Hand, wenn es zu viel wird, kann ich auch Aufträge ablehnen“, erklärt sie.

Um bei Fiverr Geld verdienen zu können, muss man aber nicht zwangsläufig studieren. Jiro Yoshioka ist gerade noch dabei, die Schule abzuschließen, und auch schon auf der Plattform unterwegs. „Ein guter Freund hat mich auf die Idee dazu gebracht“, erzählt der Abiturient. Yoshioka ist 20 Jahre alt und spielt seit dem Kleinkindalter Cello. Er bietet auf der Plattform an, die Hintergrundmusik zum Beispiel für Spiele oder Filme zu produzieren.

Alles rund um Online-Handel gefragt

Dafür spielt er dann die Melodie, nimmt sie auf, mischt je nach Anforderung noch mehrere Spuren und schickt die Dateien dann digital an seine Kunden. Nach dem Abi will er Komposition für Filmmusik studieren, nächsten Monat veröffentlicht er außerdem sein erstes Album. Die Online-Aufträge helfen ihm dabei, schon mal Erfahrung dafür zu sammeln. „So kann ich jetzt schon ein bisschen mein Hobby zum Beruf machen und damit Geld verdienen“, sagt er.

Peggy de Lange, Vizedirektorin für internationale Expansion bei Fiverr, ist überzeugt, dass ihre Plattform gerade in diesen Krisenzeiten ideal für Studierende ist. „Man kann sehr gut Erfahrungen sammeln“, erzählt sie. „Außerdem kann man sehr leicht anfangen und direkt von zu Hause arbeiten.“ Hinzu komme, dass die Nutzer ein sehr breites Publikum erreichten: Fiverr ist in 160 Ländern aktiv. Aber auch die Plattform hat durch die Krise eine Verschiebung von Angebot und Nachfrage erlebt.

Während in den ersten Wochen vor allem Angebote nach persönlicher Weiterentwicklung eine hohe Nachfrage hatten, sei nun alles gefragt, bei dem es um Online-Handel geht. Grundsätzlich habe das Unternehmen aber von der Krise profitiert, es seien deutlich mehr Dienstleistungen gebucht worden als zuvor.

Geringe Löhne über Fiverr?

Plattformen wie Fiverr, bei denen Menschen ihre digitalen Dienstleistungen weltweit online zur Verfügung stellen können, gibt es unterschiedliche. Einer der größten Kritikpunkte sind die niedrigen Löhne: In der Vergangenheit war auch Fiverr häufig in die Kritik geraten, weil die Plattform Leistung zu Dumpingpreisen anbieten würde. Von Bredow und Yoshioka betonen zwar, dass sie gut verdienen, aber auch ihre Preise scheinen im ersten Moment unglaublich niedrig: Für unter zehn Euro bietet von Bredow an, ein Motivationsschreiben mit bis zu 500 Wörtern zu überarbeiten, von Yoshioka bekommt man zum selben Preis eine Cellomelodie bis 20 Sekunden.

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