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Flickenteppich Staatsexamen : Beim Medizinstudium ist Deutschland jetzt dreigeteilt

Medizinstudenten im Präpariersaal der Medizinischen Fakultät an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Bild: ZB

Kurz vor ihrem zweiten Staatsexamen wissen die deutschen Medizinstudenten endlich, ob ihre Prüfung stattfindet oder verschoben wird. Von einer bundesweit einheitlichen Lösung kann aber keine Rede mehr sein.

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          Unter den deutschen Medizinstudenten, die gerade kurz vor ihrem zweiten Staatsexamen (M2) stehen, herrschte in den letzten Wochen große Unsicherheit: Würde die Prüfung, auf die man sich klassischerweise hundert Tage lang vorbereitet, wegen der Corona-Krise stattfinden oder verschoben werden müssen? Die zuständigen Institutionen zeigten sich skeptisch, ob sie den Schutz der Prüflinge gewährleisten könnten. Das Bundesgesundheitsministerium änderte darauf sogar die Approbationsordnung, um eine Verschiebung der M2-Prüfung auf das nächste Jahr zu ermöglichen. Diese Verordnung stieß auf heftige Kritik bei den Medizinstudenten, die das damit unvermeidliche "Hammerexamen", ein dichtes Zusammenrücken der M2- und M3-Prüfung, ablehnen.

          Uwe Ebbinghaus
          Redakteur im Feuilleton.

          Eine überraschende Wende dann im Lauf der Woche: Die meisten Bundesländer, denen die letzte Entscheidung bei den Staatsprüfungen obliegt, folgten dem Spielraum des Bundesgesundheitsministeriums nicht. Sie werden das zweite Staatsexamen wie geplant Mitte April abnehmen. Nur Bayern und Baden-Württemberg entschieden sich für das „Hammerexamen“. Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml sagte dazu am Freitag: „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Aber es gibt wichtige Gründe für die Verschiebung  – vor allem mit Blick auf das Infektionsrisiko.“ Die jetzige Lösung habe den Vorteil, dass sich die Medizinstudenten auch ohne das zweite Staatsexamen in der Gesundheitsversorgung einbringen und gleichzeitig ihr Studium fortsetzen könnten.

          Sachsen, Sachsen-Anhalt und Berlin zeigten sich besonders studentenfreundlich in ihrer Entscheidung. Sie überlassen den Examenskandidaten, ob sie sich im April oder im nächsten Jahr prüfen lassen wollen. Diese Möglichkeit hatte sich auch die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) gewünscht, doch gibt deren Sprecher Martin Jonathan Gavrysh gegenüber der F.A.Z. zu bedenken: „Dass die Studierenden wählen dürfen, ist aus unserer Sicht eine sehr kulante Regelung. Gleichzeitig muss sie rechtssicher sein, denn es hilft nichts wenn sie am Ende doch kassiert wird und die Studierende noch weniger Planungssicherheit als vorher haben.“

          Überführt man die Entscheidungen der einzelnen Bundesländer farblich in eine Deutschlandkarte, ergibt sich  beim zweiten Staatsexamen der Mediziner eine erstaunliche Dreiteilung Deutschlands. Von einer bundesweit einheitlichen Lösung, die sich die Studenten für ihr Staatsexamen gewünscht hätten, ist man jetzt weit entfernt. Dazu sagt die Bundesvertretung der Medizinstudierenden: „Leider wird hier das Konzept 'Staatsexamen' ad absurdum geführt. Von gleichen und fairen Bedingungen an den verschiedenen Standorten kann keine Rede sein.“

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