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Mehrfachstudium : Doppelt hält besser

  • -Aktualisiert am

Viel Aufwand, viel Ehre: Ein Doppelstudium kann sich richtig auszeichnen. Bild: Getty

Ein bisschen verrückt sind sie ja schon: Studenten, die zwei Hochschulabschlüsse gleichzeitig anstreben. Doch die Mühe lohnt sich und mit ein paar Kniffen lässt sich der Stress reduzieren.

          5 Min.

          Am Anfang war es mehr ein Spaß, aus dem dann aber schnell Ernst wurde: Silas Fenimore Kißmer schreibt in seinem fünften Semester der Wirtschaftswissenschaften freiwillig eine Klausur in Zivilrecht, besteht und fängt Feuer. „Das ist superspannend!“ Zumal Rechtskenntnisse eine gute Basis für die Bereiche Personal- und Talentmanagement seien, in die sich der Student beruflich bewegen will. Kißmer erkundigt sich bei der Studienberatung, überzeugt eine Kommilitonin von der Idee und bewirbt sich auf einen Doppelbachelor an der Universität Lüneburg: Auf den englischsprachigen Studiengang „International Business Administration and Entrepreneurship“ setzt er noch Wirtschaftsrecht mit dem Schwerpunkt Arbeitsrecht drauf.

          Mittlerweile hat Kißmer sein drittes und letztes Semester Rechtswissenschaft vor der fächerverbindenden englischsprachigen Bachelorarbeit abgeschlossen. „Ich habe das auf keinen Fall bereut, weil das viel praktischer und handfester ist als mein eigentlicher Studiengang“, sagt der 22 Jahre alte Student. „Ich kann jetzt auch eine Abmahnung schreiben und kenne die Zusammensetzung eines Betriebsrates.“ Dank eines Doppelstudiums im Schnelldurchgang, das ein Rechtsprofessor und auch die Studienberatung ideell unterstützten und das Kißmer unter anderem mit einem Job als studentische Hilfskraft finanzierte: „Ich mag es, wenn ich Stress habe, das motiviert mich.“

          Nur die Klausurenphase sei bisweilen grenzwertig gewesen. „Die International-Business-Module als Hausarbeit im Semester fertigstellen und die Rechtmodule als Klausur im Anschluss, das hat nicht immer funktioniert, aber das war zumindest der Plan.“ Bewährt hat sich dagegen das Prinzip Doppelstudium im Doppelpack: Zeitliche Überschneidungen und Hängepartien hat sich Kißmer von Anfang an mit einer Kommilitonin geteilt. „Wenn man da nicht allein durchmuss, klappt das viel besser.“ Etwa das sechste Semester, in dem der Doppelstudent insgesamt 45 Leistungspunkte geholt hat. Üblich sind 30. „Man muss auch nicht in jede Übung gehen, es geht manchmal auch ohne“, weiß er inzwischen.

          „Man muss wissen, wieso man das macht, sonst wird es zu viel“

          Kißmer und seine Kommilitonin sind zwei von rund 60 Studierenden, die an der Leuphana Universität ein Doppelstudium belegen. Bezogen auf die Gesamtzahl der angestrebten Bachelorabschlüsse beträgt der Anteil rund ein Prozent, bei den Masterstudiengängen liegt er darunter. Obwohl das Doppelstudium von beiden Programmverantwortlichen genehmigt werden muss und an den überdurchschnittlich erfolgreichen Verlauf des zuerst aufgenommenen Studiums gekoppelt ist, wurde bisher noch kein Antrag abgelehnt. „Man muss wissen, wieso man das macht, sonst wird es zu viel und nervig“, betont Kißmer. Was so viel heißt wie: Das ist viel Arbeit, und wer sie sich antut, zeigt Leistungsbereitschaft.

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