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Max-Planck-School of Cognition : Beobachter des Gehirns

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Bojana Grujičić begann etwa als Philosophiestudentin in Belgrad, machte ihren Master an der Berliner School for Mind and Brain, die Philosophie und Neurowissenschaft kombiniert. Im ersten Jahr an der Max Planck School, in dem die Doktoranden in Onlinekursen mit grundlegenden Methoden der Kognitionswissenschaft vertraut gemacht werden, brachte sie ihre neurowissenschaftlichen Kenntnisse auf ein neues Level. Sie hält es für aussichtslos, Probleme wie die Willensfreiheit ohne neurowissenschaftliche Fachkenntnisse zu behandeln. Genauso könnten die Hirnforscher vom konzeptuellen Verständnis der Philosophen profitieren. Sie selbst interessiere sich ja auch nicht für die nackten Forschungsdaten, sondern für die Konzepte, mit denen man sie erklärt.

Die Evaluation müssen die Schulen nicht fürchten

Wie alle Programmteilnehmer absolvierte Bojana Grujičić im ersten Jahr drei Laborpraktika an verschiedenen Orten, um neue Ideen und Methoden kennenzulernen. Währenddessen schärfte sie das Thema ihrer Doktorarbeit, die vom zweiten Programmjahr an in den Mittelpunkt rückt. Um die Themenfindung am Ende des ersten Jahres zu perfektionieren, gibt es seit einiger Zeit Vorgespräche, in denen der Doktorand und sein Wunschbetreuer herausfinden sollen, ob sie wirklich zueinander passen. Es ist dann aber immer noch möglich, das Thema zu ändern, wenn man auf andere Ideen kommt, man soll es sogar.

Bianca Serio und Ole Goltermann, die dem jüngsten, dritten Jahrgang angehören, werden im Zug ihrer Rotation demnächst von Leipzig nach Jülich und London ziehen. Dort werden sie neue computergestützte Methoden kennenlernen, die sie idealerweise ihren Betreuern an ihren Stammorten vermitteln. Über die Doktorandenausbildung soll so auch der Methodentransfer in der Wissenschaft angekurbelt werden. Das Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, an dem Serio und Goltermann gerade sind, ist das Gravitationszentrum der Graduiertenschule. Von hier aus koordiniert das Team um Natacha Mendes das verzweigte Gebilde. Die Doktoranden äußern sich zufrieden über die Betreuung. Man reagiere schnell und flexibel auf alle Wünsche.

Bianca Serio untersucht in Leipzig, wie sich Struktur und Funktion des Gehirns während der Menstruation verändern. Dass sie das tun, ist relativ unumstritten. Was es für mentale Folgen hat, ist wie alles, was das Wechselspiel von Gehirn und Psyche betrifft, noch ziemlich unklar. Ole Goltermann, wie Bianca Serio ein studierter Psychologe, will an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf einfache Entscheidungsprozesse algorithmisch so modellieren, dass sich Verhalten mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit vorhersagen lässt, etwa der Besuch eines Restaurants. Das wirft die Frage auf, ob Gehirnprozesse überhaupt einem algorithmischen Muster oder einer ganz anderen Logik folgen. Es ist viel Mathematik in der Kognitionswissenschaft, die Frage, nach welcher Mathematik Gehirnprozesse verlaufen, wird eher am Rande gestellt.

Das Bundesministerium fördert die drei Max Planck Schools während der siebenjährigen Pilotphase mit 48 Millionen Euro. Danach wird entschieden, wie es weitergeht. Die Evaluation müssen die Schulen nicht fürchten. Das Konzept ist aufwendig, aber durchdacht. Die jährlichen Bewerberzahlen haben sich auf mehr als tausend verdreifacht, nur rund fünfzig von ihnen können jeweils aufgenommen werden. Die hohe Zahl ausländischer Doktoranden lässt erkennen, dass die Welt auf die Schulen aufmerksam geworden ist. Man kann jetzt in Ruhe an der Qualität feilen.

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