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Klassische Antike : Kulturkampf in den Altertumswissenschaften

  • -Aktualisiert am

Akropolis-Tempel in Athen Bild: INTERFOTO

Die postkoloniale Bewegung fordert ein neues Bild der Antike – frei von historischem Bewusstsein und ganz nach den eigenen Moralvorstellungen. Ein Gastbeitrag.

          5 Min.

          Die Universität Cambridge hat ihren geisteswissenschaftlichen Dozenten Kurse über „equality and diversity“ verordnet. Unter deutschen Geisteswissenschaftlern stößt diese Maßnahme auf wenig Verständnis und wird teilweise mit Spott und Häme quittiert: Die Kollegen der berühmten Eliteuniversität müssen den Katheder für die Sitzreihen der Studenten eintauschen und sich dort über strukturellen Rassismus und andere Themen belehren lassen, zu denen die eine oder der andere selbst forscht. Zugleich entspricht die von der Universitätsleitung beschlossene Schulung den Forderungen, die nicht kleine Gruppen von Studenten, Doktoranden und Dozenten zuletzt selbst lautstark erhoben haben.

          Im Juni letzten Jahres verlangten mehr als zweihundert Studenten und Alumni der Altertumswissenschaften von der Faculty of Classics in Oxford, sie müsse die Verstrickung ihres Faches und ihrer Institution in Rassismus und Kolonialismus öffentlich bekennen. Um die nach wie vor bestehende Diskriminierung Schwarzer zu beenden, seien umfassende Maßnahmen zu ergreifen, darunter auch regelmäßige Trainings für die Dozenten. Ein ähnlicher Brief in Cambridge ließ nicht lange auf sich warten. Er kam als Antwort auf einen Artikel des Latinisten Henry Butterfield aus Cambridge, der den Vorwurf des Rassismus gegen das eigene Fach entschieden zurückwies. Kurz nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd im konservativen „Spectator“ publiziert, erhitzte Butterfields Intervention die Gemüter. Noch in den Sommersemesterferien schrieben jetzige und ehemalige Studenten gemeinsam mit einigen Dozenten einen offenen Brief an die Faculty of Classics in Cambridge.

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