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Informatiker im Interview : Wie macht man KI leicht verständlich?

Gewöhungsbedürftig: KI mit Gesicht Bild: dpa

Johannes Hötter hat mit einem Kommilitonen am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam eine „Einführung in die KI“ gegeben. Mit viel Erfolg: Fast 12.000 Zuhörer nahmen daran teil. Nun planen sie Teil Zwei.

          3 Min.

          Herr Hötter, Sie haben mit Christian Warmuth einen sehr erfolgreichen Kurs zur „Einführung in die Künstliche Intelligenz“ auf der openHPI-Plattform gegeben. Wie kam es dazu?

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wir hatten die Idee, allen Interessierten, also auch jenen ohne Programmier-Erfahrung und ohne großes technisches oder mathematisches Hintergrund-Wissen, die Grundzüge der künstlichen Intelligenz und des maschinellen Lernens zu erklären.

          Was war Ihr Ziel?

          Unser Ziel war es, einerseits einen Überblick über die grundlegenden Konzepte dieser Technik zu geben. Andererseits wollten wir die wichtigsten Begrifflichkeiten erörtern und einordnen.

          Johannes Hötter
          Johannes Hötter : Bild: privat

          Und: Haben Sie das geschafft?

          Ich denke schon. Schauen Sie auf die Teilnehmerzahl: Knapp 12.000. Das freut uns natürlich sehr. Wir haben mit unserer „Einführung“ faktisch eine Schneise durch die immer wieder auftretenden Schlagworte dieser Thematik geschlagen. Wir haben viele Beispiele gegeben. Und wir packten auch nicht gerade leichte Themen an.

          Welche etwa?

          Etwa: Was unterscheidet herkömmliches Programmieren von der Entwicklung selbstlernender Software.

          Das ist sehr kompliziert.

          Daher wollten wir das auch so klar, einfach und beispielreich erklären, wie es nur geht.

          Und wie sind sie vorgegangen?

          Wir haben uns erstmal genau überlegt, was nötig ist, um ein so komplexes Gebiet wie KI verständlich zu machen.

          Was ist dazu nötig?

          Nun, lassen Sie mich erstmal sagen, was dazu nicht nötig ist: Sie müssen nicht zehn komplizierte wissenschaftliche Veröffentlichung studieren, um zu erfahren, was sich hinter dem Begriff der künstlichen Intelligenz verbirgt. Es ist ein guter Start in die Thematik, wenn man mit den Begrifflichkeiten der KI beginnt und diese klar voneinander abgrenzen kann. Da ist schon mal viel erreicht, die Neugier und vielleicht auch die Faszination am Thema geweckt.

          Aber kann man die Begriffe der KI einfach erklären?

          Wir denken schon. Um das Ganze verständlicher zu machen, haben wir vielfach auch auf anschauliche Anwendungsbeispiele zurückgegriffen. In denen erfährt man etwa, was überwachtes, was nicht-überwachtes und was verstärkendes Lernen ist, wie quasi eine Maschine mit solchen Lernprozessen in Daten bestimmte Muster und Strukturen erkennen kann, und wie sich das alles dann weiter nutzen lässt.

          Was unterscheidet nun das herkömmliche Programmieren von der Entwicklung einer selbstlernenden Software?

          Beim herkömmlichen Programmieren besteht ein Programm aus einem Regelwerk. Man fragt sich also zunächst, wie man Regeln aufstellen kann, um ein bestimmtes Problem mit Software zu lösen. Bei der KI ist das etwas anders. Sie liest gewissermaßen ein solches Regelwerk aus den Daten heraus.

          Was heißt das?

          Das heißt, der analysierende Algorithmus saugt die inhärente Logik der Daten geradezu auf. Dadurch baut sich ein Regelwerk - wenn auch oftmals als Blackbox, abhängig vom verwendeten Algorithmus - faktisch inhärent auf.

          Es bildet sich quasi von selbst.

          Kann man so sagen.

          Die Vernetzung von allem und mit allem.
          Die Vernetzung von allem und mit allem. : Bild: HPI Hasso-Plattner-Institut/obs

          Und um solche komplexen Dinge geht es bei der „Einführung“.

          Ja, das ist doch das Wesen einer KI.

          Wie lange dauert Ihr Kurs?

          Er ist über einen Zeitraum von vier Wochen angelegt.

          Wie haben Sie den Kurs aufgebaut?

          In der ersten Woche geht es um die Basis, um die Begriffe und um das grundlegende Verständnis. In der zweiten Woche haben wir den Fokus auf die verschiedenen Arten des maschinelles Lernen gelegt. Woche drei dreht sich um ein Teilgebiet des Maschinellen Lernens: das Supervised Learning, also wie ein selbstlernender Algorithmus in einer meist größeren Menge an Daten bestimmte Muster erkennen kann. Zum Abschluss in der vierten Woche haben wir ethische und moralische Fragen rund um die Mensch-Maschine-Interaktion in den Mittelpunkt gerückt.

          Und wie muss man sich den Kurs ganz praktisch vorstellen?

          Zu den Themen in den jeweiligen Wochen gibt es etwa zehn Videos. Die sind zwischen drei und zehn Minuten lang. Die Videos wurden vorher in einem vom HPI bereitgestellten Video-Studio aufgenommen. Die Kursteilnehmer schauen sich also die Videos an und machen anschließend Multiple-Choice-Selbsttest. Damit können sie prüfen, ob sie alles verstanden haben. Zum Abschluss einer jeden Woche gibt es dann eine Hausaufgabe. Zum Abschluss des Kurses folgt dann ein Abschlusstest, welcher die Inhalte aller Wochen umfasst. Meistert man die Tests und Aufgaben, gibt es ein Zeugnis.

          Planen Sie einen zweiten Teil?

          Christian und ich sind bereits in der Planung, denn die Zahl der Teilnehmer hat uns ebenso überrascht, wie das Feedback und vor allem die Anregungen.

          Welche Anregungen?

          Nun, gar nicht mal so wenige Teilnehmer wünschten sich, praktische Programmierbeispiele zu sehen, also Programm-Code und was es heißt „mit realen Daten“ zu arbeiten“.

          Das heißt, Sie gehen nun den nächsten Schritt?

          Ja. Eine Plattform wie openHPI ist da geradezu genial.

          Warum?

          Auf keinem anderen Kanal oder kaum einer anderen Plattform hätten wir wohl eine Teilnehmerzahl von knapp 12.000 erreicht.

          Absolventenfeier am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam
          Absolventenfeier am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam : Bild: K. Herschelmann/HPI Hasso-Plattner-Institut/obs

          KI hat offenbar eine sehr anziehende Wirkung.

          Eine faszinierende Technik ...

          … die aber auch vielen Angst macht. Wenn Sie auf KI und selbstlernende Systeme blicken, würden Sie sagen, wir lernen von den Systemen, oder lernen die Systeme von uns?

          Interessante Frage. Lassen Sie mich mal so antworten: Eine KI kann man sich vielleicht wie einen Student vorstellen, der mit Karteikarten lernt. Auf der einen Seite stehen die Frage, auf der anderen die Antwort. Es gibt aber auch Szenarien, wo Forscher über die Antwort, die die KI gibt, geradezu verblüfft sind.

          Zum Beispiel?

          Diese Sache mit Alpha-Go vor einigen Jahren, als ein Computerprogramm gegen den damals amtierenden Weltmeister im Brettspiel Go einen Zug ausgeführt hat, von dem zunächst keiner der Beobachter wusste warum. Später stellte sich das aber geradezu genial heraus. Das ist KI: eine faszinierende Technik.

          Und die sollte man besser verstehen.

          Genau.

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