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Jura und die Digitalisierung : Bereit für Legal Tech

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Neues Zeitalter: Das Tablet gehört zum Juristenalltag. Bild: Getty

Die Digitalisierung stellt Richter und Anwälte vor neue Aufgaben. Müssen sie künftig programmieren können? Und was heißt das für Jurastudenten?

          6 Min.

          Daniella Domokos ist eine junge Frau mit einer alten Liebe zur Technik. Und das nicht trotz, sondern gerade wegen ihres Jurastudiums. Erst hieß es: Niemand kommt mehr an der Digitalisierung vorbei – und Domokos bringt sich kurzerhand die Grundlagen der Programmiersprache Python sowie HTML bei. Dann: Das autonome Fahren hat in Deutschland überhaupt nur eine Chance, wenn Juristen die Technik dahinter verstehen – die gebürtige Ungarin gründet das Blog „All about Legal & Technologie“.

          Und schließlich: Zu diesem Thema fehlt noch ein Lehrbuch für Studierende – die frischgebackene Juristin veröffentlicht einen Gliederungsvorschlag, schreibt auch gleich das Vorwort und bittet, Stichwort „Plattform-Ökonomie“, um Kooperation: „Die AutorInnen erbringen ihre Anteile ehrenamtlich, die Qualitätskontrolle wird von der Community betrieben und lesen darf jeder.“

          Seit einer Weile allerdings gibt sich die Community zurückhaltend. „Das liegt nur daran, dass ich in den letzten Monaten so viel um die Ohren hatte“, stellt Domokos klar. Im nächsten Schritt will sie auf Lehrbeauftragte an bundesdeutschen Hochschulen zugehen, die sich mit genau den Fragen beschäftigen, die sie auch umtreiben: Welche Digitalisierungskompetenzen brauchen die Juristen von morgen, wie sind neue technologische Entwicklungen rechtlich zu bewerten, und was ist von „Coding for Lawyers“ zu halten? „Ich kann das Buch ja nicht allein stemmen, aber ich bin gut vernetzt“, sagt die 24 Jahre alte Juristin und erzählt von einer „Legal-Tech-Szene“, zu der auch selbständige Anwälte, Ministerialbeamte und Doktoranden gehörten. „Das ist irgendwann auf Konferenzen nur noch ein Klassentreffen – man trifft immer wieder auf dieselben Leute.“

          Rechtssichere Verträge ohne Notar

          „Legal Tech“ ist die gängige Abkürzung für „Legal Technology“, gelegentlich steht sie auch für „Legal Services & Technology“ und in jedem Fall für die Frage, wie Computer den Menschen bei der Findung und Anwendung des Rechts unterstützen können. Verfechter der deutschen Sprache wählen den Begriff „Rechtsinformatik“, aber der hat einen anderen Beiklang, wie Martin Fries, Privatdozent an der Juristischen Fakultät der Universität München (LMU), verdeutlicht: „Die vor allem in den 1970ern und 80ern betriebene Rechtsinformatik war ein sehr universitär-theoretisches Thema, während die aktuelle Legal-Tech-Bewegung nicht von der Uni, sondern aus der Gründerszene kommt.“

          Software, die Sammelklagen im Abgasskandal oder die automatisierte Beratung zu Fluggastrechten unterstützt, sind da nur populäre Aushängeschilder. Unterstützung erhielt die noch junge Branche im November vergangenen Jahres vom Bundesgerichtshof: In einem Grundsatzurteil entschieden die Richter, dass Mieter ihre Interessen von Internet-Rechtsdienstleistern vertreten lassen dürfen. Solche Portale haben üblicherweise keine Rechtsanwaltslizenz, sondern setzen die Verbraucherrechte für ihre Nutzer als Inkassounternehmen durch. Kosten entstehen für den Mieter nur bei Erfolg. Für die Szene war das ein großer Erfolg – auch wenn Unternehmen im Einzelfall prüfen müssen, wie weit das Urteil wegen der unterschiedlichen Rechtsgebiete und Geschäftsmodelle auf sie passt.

          In der Zukunft wird es auch um Tools gehen, die etwa die Erstberatung durch den Anwalt automatisieren oder rechtssichere Verträge ohne Notar abschließen können – nämlich datenbankbasiert und mittels Blockchain-Technologie. Noch ist das Theorie, aber wenn die Jurastudierenden von heute in ein paar Jahren ihr Abschlusszeugnis in den Händen halten, wird sich der Arbeitsmarkt verändert haben, ist sich Fries sicher: „Alles was mit Software möglich ist, findet seinen Weg.“

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