https://www.faz.net/-gyl-ab5kb

Kuschelnoten im Jura-Studium : Die Totengräber der juristischen Ausbildung

  • -Aktualisiert am

Die Strafprozessordnung: Eine Pflichtlektüre für jeden angehenden Juristen. Bild: Ekkehart Reinsch / VISUM

Gegen „Kuschelnoten“ an Jura-Fakultäten vorzugehen, ist ein guter Gedanke, eine faire Benotung ist wichtig. Aber die Justizminister haben den falschen Weg eingeschlagen: den der Weichspülung. Ein Gastbeitrag.

          5 Min.

          Der Juristenausbildung droht die permanente Reformierung. Die letzte große Umgestaltung des Deutschen Richtergesetzes liegt keine zwanzig Jahre zurück. Sie hatte sich zumindest teilweise von der vor etwa 200 Jahren in Preußen begründeten Tradition emanzipiert, dass Juristen zwar an einer Universität ausgebildet, aber ausschließlich vom Staat geprüft werden. Professoren wirken dort zwar mit, organisieren die Prüfung aber nicht. Anstatt allein auf eine Generalabrechnung am Ende der Ausbildung zu setzen, hatte man sich 2003 zu der grundlegenden Änderung durchgerungen, 30 Prozent der Staatsprüfung auf die Universitäten zu verlagern. Diese sollten für eine erste Spezialisierung junger Juristen in Form von Schwerpunktbereichen sorgen. Die dort erbrachten Leistungen prüfen die Fakultäten seither selbständig. Zwingende Vorgaben für Prüfungsformate in der Schwerpunktausbildung gibt es bisher kaum.

          Damit wird den Fakultäten die Möglichkeit gegeben, ihr eigenes Profil zu entwickeln und im Wettbewerb untereinander zu überzeugen. Dabei entwickelte sich die Korrelation der Noten im universitären Schwerpunkt und im Staatsteil der ersten Prüfung nicht überall gleich. Gerade an einigen süddeutschen Universitäten werden im Schwerpunkt Noten vergeben, die in keinem realistischen Verhältnis zu den Ergebnissen in der staatlichen Prüfung stehen. Begriffe wie „Traum“- beziehungsweise „Kuschelnoten“ machten die Runde.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Amazon entkommt den Fängen der EU-Kommission ein weiteres Mal.

          Steuerbeihilfeverfahren : Warum Amazon so wenig Steuern zahlt

          Der Onlinehändler Amazon hat in Europa wieder kaum Steuern gezahlt – und der Versuch der EU-Kommission, daran etwas zu ändern, ist jetzt vor Gericht gescheitert, wie zuvor schon bei Apple. Woran liegt das?

          Fahrbericht Fiat 500 E Cabrio : Schock verliebt

          Fiat baut den 500 einfach noch einmal. Jetzt aber mit Elektroantrieb, was der Lebensfreude in der Stadt arg zuträglich ist. Dann werfen wir auch noch das Dach zurück, offen gesagt: Bravo.
          Geimpft wird (fast) überall: Impfzentrum in Markkleeberg in Sachsen in einem Zelt im Saal des Rathauses

          Impfreihenfolge : Ganz oben auf der Liste

          Die Bundesländer vergeben Termine in den Impfzentren unterschiedlich. Sogar innerhalb einer Priorisierungsgruppe wird noch differenziert. Besonders ausgeklügelt ist das System in Bayern.