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Debatte mit der Öffentlichkeit : Jetzt meldet sich die Betriebswirtschaftslehre zu Wort

Die BWL: Aus interner Kommunikation soll der externe Austausch mit der Gesellschaft werden. Bild: dpa

Die BWL beschäftigt sich viel mit sich selbst und wenig mit der Gesellschaft – obwohl sie in Deutschland der größte Studiengang ist. Das soll sich jetzt ändern.

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          Kein Wissenschaftszweig hat mehr Forscher und akademische Lehrer als die Betriebswirtschaftslehre (BWL). Zurzeit lassen sich 235.000 Studenten in Deutschland in diesem Fach ausbilden. Für kein anderes Fach entscheiden sich mehr Schulabgänger. 2700 Hochschullehrer forschen und lehren im deutschsprachigen Raum die BWL. Aber in der Öffentlichkeit ist ihre Tätigkeit wenig bekannt. Vor allem blicken die Betriebswirte neidisch auf die Volkswirte, die die wirtschaftspolitische Diskussion beherrschen, obwohl das akademische Fach VWL mit 20.000 Studenten gerade mal ein Zehntel so groß ist wie die BWL.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Die Betriebswirtschaftslehre hat jahrzehntelang eine Art Inzucht betrieben. Man las vor allem angelsächsische Fachzeitschriften, orientierte sich an ihnen, um dort dann auch selbst veröffentlichen zu können. Das war für die Karriere zwar gut, aber von der deutschen Realität hat man sich immer weiter entfernt. Das soll sich ändern. „Wir haben als Community erkannt, dass wir auch in die breite Öffentlichkeit wirken müssen“, sagt Christina Hoon, die an der Universität Bielefeld einen Stiftungslehrstuhl für Familienunternehmen innehat. „Es ist unsere Verpflichtung, der Gesellschaft auch die Ergebnisse unserer Forschung mitzuteilen.“

          „Eine neue Ära der Öffnung“

          Genau darum geht es dem Verband der Hochschullehrer der Betriebswirtschaft VHB, wenn er am heutigen Montag die Seite „VHB Experts“ freischaltet. 140 der 2700 deutschsprachigen BWL-Hochschullehrer haben sich hier bereit erklärt, der Öffentlichkeit für aktuelle Fragen aus ihrem Fachgebiet jederzeit zur Verfügung zu stehen. „Die BWL tritt damit in eine neue Ära der Öffnung gegenüber den Medien, gegenüber der betrieblichen Praxis und der gesamten interessierten Öffentlichkeit“, sagt Deborah Schanz, die an der Ludwig-Maximilians-Universität in München einen Lehrstuhl für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre innehat und im Vorstand des Verbands für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, damit auch für den Auf- und Ausbau des neuen Portals.

          Dabei soll es aber nicht bleiben. Der Verband wolle durch Schulungen in Presse- und Öffentlichkeitsarbeit möglichst viele Mitglieder befähigen, auch selbständig an die Öffentlichkeit zu gehen. Man denke auch über eine Zeitschrift nach, die sich nicht nur an das akademische Publikum, sondern an eine interessierte Öffentlichkeit wendet. Es gebe schließlich viele aktuelle Fragen, die von der Betriebswirtschaftslehre beantwortet werden könnten. So habe man Erkenntnisse darüber, wie man über steuerliche Gestaltungen (Verlustrücktrag) die Unternehmen entlasten könnte oder ob Kaufprämien für Elektroautos wirklich etwas bringen.

          „Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass man künftig bei wissenschaftlichen Berufungen auch Öffentlichkeitsarbeit als Teil der Stellenbeschreibung ausweist“, sagt Hoon. Die neue Öffnung sei auch nicht als Einbahnstraße zu verstehen. Man wolle Anregungen in die Politik oder die Öffentlichkeit geben, aber sich von den Nachfragen auch inspirieren lassen.

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