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Europäisches Uni-Netzwerk : IT studieren im Ausland – trotz Corona

Die Uni auf dem Laptop Bild: Picture-Alliance

Eine Hochschule in München bietet ihren Studierenden trotz des europaweiten Lockdowns die Möglichkeit, im Ausland zu studieren. Dafür reicht ein Laptop.

          2 Min.

          Die Coronavirus-Pandemie hat das Universitätsleben über Nacht zum Erliegen gebracht – und an einen Auslandsaufenthalt ist im Moment schon gar nicht zu denken. Doch Studierende müssen deshalb nicht zwingend auf internationale Erfahrungen verzichten, wie ein Beispiel aus München zeigt.

          Jessica von Blazekovic

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          An der dortigen Hochschule (HM) gibt es seit dem Jahr 2017 den digitalen Campus Decamp, der die IT-Fakultäten von sechs Hochschulen in Deutschland, England, Finnland, Italien, Rumänien und Spanien verbindet. Das Netzwerk war der HM zufolge das erste seiner Art innerhalb des europäischen Austauschprogramms Erasmus und bietet den Studierenden die Möglichkeit, Online-Kurse im Bereich der IT-Sicherheit an den Partnerhochschulen zu belegen. Alle Studierenden aus den EU-Partner-Fakultäten können zudem auf virtuelle Netzwerk-Labore zugreifen.

          Dabei lernen sie sogar, Netzwerke zu hacken, um später Unternehmen mit ihrem praktischen Wissen effizient gegen Hackerangriffe schützen zu können – etwas, was sie in den lokalen Netzwerken ihrer Heimathochschulen wegen der Netzwerksicherheit nicht dürfen.

          Internationaler Austausch als zentrales Anliegen

          In der Corona-Krise machen sich die schon etablierten Strukturen nun bezahlt: „Alles war schon vorbereitet“, sagt der Professor Alexandru Soceanu von der Fakultät Informatik und Mathematik der HM im Gespräch mit der F.A.Z. Das Interesse der Studierenden an den Online-Kursen sei stark gewachsen, da sie weder an ihren eigenen noch an ausländischen Hochschulen derzeit Zugang zu Präsenzunterricht hätten.

          So kann etwa der an der HM eingeschriebene IT-Masterstudent Sebastian Becker den im Sommersemester 2020 gestarteten Kurs „Angewandte Computer-Forensik und Verbrechensermittlung“ an der Universität South Wales trotz Corona belegen und ECTS-Credits sammeln. Und der italienische IT-Student Alvise Doria kann dank Decamp überhaupt erst weiterstudieren, denn seine Universität in Padua ist seit dem Semesterbeginn im Februar geschlossen. Er belegt den Bachelor-Kurs „Sicheres Netzwerkmanagement“, den die HM im Rahmen von Decamp anbietet: „Erstens finde ich das Thema interessant, und ich mag die praxisorientierte Lehrmethode des Professors. Zweitens lerne ich, die spezifische Terminologie auf Englisch anzuwenden. Das ist wichtig für einen Job im Ausland. Und drittens ist der Kurs nützlich für mich, um zu erfahren, was Studieren in Deutschland bedeutet“, berichtet der Student.

          Der Austausch mit Studierenden aus den verschiedenen EU-Ländern sei ein zentrales Anliegen der Partnerschaft, sagt Soceanu. Die Decamp-Kurse sind für die Studierenden kostenlos, und auch die Hochschulen sparen einiges an Geld, weil sie die Expertise der Partnerunis nutzen können. Entsprechend groß sei das Interesse auch von nicht europäischen Hochschulen, etwa in Amerika oder China, Teil des Netzwerkes zu werden.

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