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Triales Studium fürs Handwerk : Aus drei mach eins

  • -Aktualisiert am

Nicolas Biere, Betriebsleiter der Bäckerei Hinkel, in der Backstube Bild: Marcus Simaitis

Dem Handwerk fehlen Fachkräfte. Eine Kombination aus Studium, Ausbildung und Meisterlehrgang soll das ändern. Ist das triale Studium die Anstrengung wert?

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          Nicolas Biere stand auf, wenn viele Studierende schlafen gehen: Zwischen zwei und drei Uhr morgens begann sein Arbeitstag in der Backstube. „Dann habe ich da acht Stunden gearbeitet“, erzählt er. „Oder je nach Jahreszeit auch mal zehn oder elf. Das ist normal hier.“ Danach vielleicht ein kleines Nickerchen und dann ging es gegen Abend noch mal lernen oder in Vorlesungen. Der 26-Jährige ist jetzt Bäckermeister – und er hat einen Bachelor in Handwerksmanagement. Um dahin in rekordverdächtigen fünf Jahren zu kommen, hat er bis 2016 ein triales Studium absolviert.

          Triales Studium – das bedeutet Lehre, Meisterbrief und Bachelorabschluss, alles in einem Programm und in bloß fünf Jahren. Angeboten wird es bisher nur an wenigen Hochschulen, zum Beispiel an der Fachhochschule Niederrhein und der privaten Fachhochschule des Mittelstands in Bielefeld. Der Fokus liegt auf Handwerkerinnen und Handwerkern: Egal ob Bäcker, Lackiererin oder Anlagentechniker – alle traditionellen Handwerksberufe können sich inzwischen trial ausbilden lassen.

          Ganz genau weiß Dominik Drabe noch nicht, wohin es für ihn nach dem Studium geht, aber er hat sich trotzdem dafür entschieden, trial zu studieren. Der 22-Jährige hat seine Ausbildung als Elektriker beendet, studiert jetzt Handwerksmanagement in Mönchengladbach an der Hochschule Niederrhein und überlegt, ob er auch noch den Meisterlehrgang beginnt. Für ihn ist es wichtig, dass er währenddessen weiterarbeiten kann. „Ohne Geld zu verdienen wäre es für mich schwieriger, zu studieren“, sagt er. Drabe arbeitet Vollzeit als Servicetechniker, freitagabends und samstags hat er Uni – zurzeit online.

          Handwerksberufe attraktiver machen

          Das triale Studium ist ein Versuch, Handwerksberufe für junge Menschen wieder attraktiver zu machen. In den meisten Handwerksbereichen wachsen nämlich seit Jahren die Umsätze, auch die Pandemie tut dem keinen Abbruch. Gleichzeitig verschärft sich der Fachkräftemangel: Ende 2020 waren in Deutschland rund 14.000 Ausbildungsstellen im Handwerk frei. Die Hochschule des Mittelstands startete schon 2009 mit ihrem trialen Programm, fünf Jahre früher als die Hochschule Niederrhein, die sich 2014 als öffentliche Institution an die neue Studienform wagte.

          Ingo Ballschmieter ist Dekan im Fachbereich Wirtschaft an der Fachhochschule des Mittelstands. „Das Handwerk ist das Rückgrat des Mittelstands“, sagt er. Mit der Digitalisierung, der zunehmend wichtiger werdenden Nachhaltigkeit und der Globalisierung entwickle sich aber auch das Handwerk schnell weiter. Das triale Studium adressiere alle diese Herausforderungen. „Es qualifiziert für Führungspositionen im Handwerk“, erklärt Ballschmieter. Damit könne es Betrieben den Nachwuchs sichern und sei für besonders motivierte Studierende eine Art Abkürzung auf dem Karriereweg.

          Lina Höttges wollte gar nicht erst darauf warten, dass jemand anderes ihre Führungsqualitäten erkennt. Die 25 Jahre alte Fahrzeuglackiererin und Karosseriebauerin hatte eigentlich geplant, den Betrieb ihres Großvaters zu übernehmen, in dem sie schon seit ihrer Jugend arbeitete. Stattdessen arbeitet sie jetzt bei einer Unternehmensberatung. „Ich habe die Übernahme mit meinem Opa nicht hingekriegt“, sagt sie. Höttges ist noch immer etwas traurig darüber. Sie hat inzwischen auch ihren Meisterbrief als Fahrzeuglackiererin gemacht. Häufig habe sie dort in der Ausbildung als einzige Frau erst mal zeigen müssen, was sie könne, sagt sie. Höttges hat es durchgezogen und steht nun kurz vor ihrem Bachelor. Auch in ihrem Jahrgang im Studium ist sie die einzige Frau. „Aber da spielt das nicht so eine große Rolle, und ich wurde von Anfang an ernst genommen.“ Dafür müsse sie dort deutlich mehr Arbeit reinstecken als in der Ausbildung. Auch weil sie sich so sehr mit dem Betrieb ihres Großvaters identifizieren konnte, beschäftigt sie sich in ihrer Bachelorarbeit jetzt mit der Frage, warum Betriebsübernahmen in der Familie oft scheitern. Den Traum von einer eigenen Werkstatt hat sie noch nicht aufgegeben.

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