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Hochschulsport : In die Welt gespielt

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Die Lüneburger Studenten Lennart (links) und Felix beim Ultimate-Frisbee-Spiel Bild: Tobias Hecht

Ultimate Frisbee kennen viele, aber was ist bloß Speergolf? Oder Teqball? An den Unis entstehen immer wieder neue Sportarten, die dann auch außerhalb erstaunlich erfolgreich sind.

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          Die Scheibe fliegt, Lennart hinterher und sein Gegenspieler Felix gleich mit. „Foul“, ruft Lennart, als er kurz darauf mit Felix zusammenprallt. Das Spiel ist unterbrochen, aber die Diskussion in vollem Gange. Denn so überzeugt Lennart ist, dass er gefoult wurde, so anders bewertet Felix die Situation: „Ich bin dir nicht in den Weg gelaufen, sondern wir sind beide unabsichtlich ineinander gelaufen“, kontert er. Was tun in einem Teamsport, in dem weder Körperkontakt erlaubt noch Schiedsrichter zugegen sind? Auf diese Frage findet sich eine Antwort in dem Regelwerk, das der Deutsche Frisbeesport-Verband in Köln herausgegeben hat: „Wenn das Foul bestritten wird, geht die Scheibe zurück zum Werfer.“

          Für Felix Lemke ist das ein Beispiel, wie und warum Fairplay im Teamsport tatsächlich funktionieren kann: „Der Zustand wird zurückgedreht und wieder auf null gesetzt, so kann niemand einen Vorteil aus der Situation holen.“ In seinem zweiten Lüneburger Semester suchte der angehende Bildungswissenschaftler nach einer Sportart, die weniger Aggressivität, aber mindestens so viel Teamgeist wie der Fußball böte. Und fand im Hochschulsport das Angebot „Ultimate Frisbee“: „Ich konnte damit erst mal gar nichts anfangen, auch das Sportgerät war für mich neu, aber mich hat von Anfang an die Stimmung gecatcht, alle hatten Spaß.“

          Zum Spaß kam der Sport, schnell laufen, weit werfen, hoch springen, und ein besonderer Spirit: Die wichtigste Regel, so Lemke, sei der „Spirit of the Game“ und damit verbunden Respekt, Fairplay und Perspektivwechsel. Das unterscheide sich deutlich von der ungeschriebenen Fußballregel: „Alles, was der Schiedsrichter nicht pfeift, ist erlaubt, und wenn er es nicht sieht, dann habe ich es richtig gemacht.“ Es schaffe auch einen anderen Umgangston und besseres Konfliktverhalten, findet der 26-Jährige: Welches Team wie in den Kategorien Fouls und Körperkontakt, Regelkenntnis oder Stimmung abgeschnitten hat, wird nach jedem Spiel bewertet.

          Klingt akademisch – und ist es auch!

          Das klingt nicht nur nach einem akademischen Sport, das ist es auch: Studierende aus New Jersey wollen die Grundidee entwickelt haben. Auf jeden Fall waren sie die Ersten, die im Jahr 1968 ein umfangreiches Regelwerk niederschrieben und darin Zeitgeist-Forderungen nach Gleichberechtigung und Selbstregulierung mit Regeln aus dem American Football und Basketball mischten. Zehn Jahre später schwappte die Welle mit ersten Turnieren und Meisterschaften nach Deutschland über, erzählt Verbandsgeschäftsführer Jörg Benner, der die Entwicklung seit 40 Jahren verfolgt. „Die Verbreitung fand und findet am stärksten über Universitäten statt.“

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