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Präsenz an den Unis : Was bleibt von Corona?

  • -Aktualisiert am

Studierende sitzen am 1. März 2021 in einem Hörsaal kurz vor einer Klausur mit Sicherheitsabstand an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Bild: Finn Winkler

Nach langem Zaudern öffnen die Universitäten schrittweise wieder den Campus. Das ist überfällig. Wird die Pandemie langfristige Folgen für das Studium haben?

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          Der Ton hat sich geändert in der Debatte über die Präsenzlehre an den Universitäten. Zwar planen nach einer Umfrage der Zeitung Welt am Sonntag immer noch mehr als neunzig Prozent im nächsten Wintersemester nur einen halben Schritt zurück in die Labore, Bibliotheken und Seminare. Dem Vernehmen nach sind es jetzt aber die Verordnungen der Bundesländer, die der vollständigen Rückkehr im Weg stehen. Unter den Universitätspräsidenten mehren sich die Stimmen, die von den Ländern mehr Entscheidungsfreiheit fordern. Da die meisten Studenten zu Beginn des Wintersemesters wohl geimpft sein werden, wirken die Abstandsgebote tatsächlich überflüssig.

          Damit scheint eine Zeit zu Ende zu gehen, in der die Universitäten gespenstische Orte waren. Irritierend bleibt, wie wenig Anstrengungen ihre Leiter unternahmen, ihre Studenten im Rahmen der medizinischen Möglichkeiten aus der Einsamkeit vor dem Bildschirm zu befreien.

          Rhetorisch wurde zwar immer wieder der Tag beschworen, an dem die Seminare und Mensen wieder mit Leben gefüllt sein würden, aber wenn es darum ging, die wachsenden Möglichkeiten zu nutzen, kam es zu seltsamen Kehrtwenden. Dann hieß es plötzlich, man könne den Studenten den Anfahrtsweg zum Seminar doch nicht zumuten, und man durfte sich fragen, ob es sich nach dieser Logik überhaupt zu studieren lohnt.

          Die Frage, wie das Studium in Zukunft aussehen wird, ist über die leise Trendwende noch nicht beantwortet. Zwar wird es für die Verfechter der digitalisierten Lehre schwer, die zentrale Erkenntnis der Corona-Zeit auszublenden: dass Lehre vor dem Bildschirm keinen Spaß macht und wenig bringt, aber das wird sie nicht davon abhalten, ihr Mantra zu erneuern. Dass die Pandemie spurlos vorüberzieht, ist schon deshalb nicht anzunehmen, weil die Digitalisierung der Lehre ganz unabhängig von ihrer bescheidenen Erfolgsbilanz fest ins Modernisierungskonzept der Universitäten eingeplant ist.

          Die Universität Bonn hat gerade die Sanierung ihres Hauptgebäudes angekündigt. Zehn bis fünfzehn Jahre wird es leer stehen, um dann, mit neuer Tauglichkeit für hybride Formen, wiedereröffnet zu werden. Ob es dann noch ein Interesse an der Hybridlehre gibt, ist nicht mit Gewissheit zu sagen. Manche Revolutionen in der akademischen Lehre wie die Online-Module Moocs wurden aus Erfolgsmangel wieder rückabgewickelt. Aber es wird dann zumindest einmal einen Grund für den Stilwechsel gegeben haben.

          Thomas Thiel
          Redakteur im Feuilleton.

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