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Macht der Großverlage : Kein „Verkauf der Wissenschaft“

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Das Deal-Projekt will bessere Preiskonditionen für wissenschaftliche Publikationen aushandeln. Bild: Timo John

Der Präsident und der Generalsekretär der Hochschulrektorenkonferenz antworten auf die Kritik am Deal-Projekt, das bessere Preiskonditionen für wissenschaftliche Publikationen aushandeln soll. Ein Gastbeitrag.

          5 Min.

          Über neue Publikationskulturen und -formate in den Wissenschaften lässt sich streiten. Dabei ist allerdings ein Mindestmaß an begrifflicher und systematischer Genauigkeit notwendig. Thomas Thiels Artikel „Die HRK verkauft die Wissenschaft“ folgt einer Argumentation, die mit falschen Alternativen aufwartet. Indem er den Einstieg in die Open-Access-Welt kritisiert, idealisiert er die traditionellen Publikationsmodelle. Beides ist unzutreffend: Das Open-Access-Modell bedeutet keinen „Verkauf“ der Veröffentlichungsfreiheit. Und im alten System lag vieles im Argen, weil teilweise horrende Druckkostenzuschüsse mit hohen Verlagsrenditen für erhebliche Restriktionen bei den publizierenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sorgten.

          In den Bereich falscher Alternativen gehört es auch, dass man „die Wissenschaft“ von ihren „Funktionären“ abgrenzt. Auf der einen Seite steht dann der Wert der Forschungsautonomie, auf der anderen Seite ein verdächtiges Bündnis mit den Großverlagen. Die vermeintlichen „Funktionäre“ aus den Führungsetagen der Hochschulen und Institute sind aber selbst Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, besitzen zumeist hohe Reputation in ihrem Fach und kennen, worüber sie mit den Verlagen verhandeln, aus eigener Praxis. Will man den falschen Alternativen entkommen, so bedarf es einer Korrektur diverser Missverständnisse, Ungenauigkeiten und Fehleinschätzungen, wie sie im genannten Artikel zutage treten.

          Erstens: Das Deal-Konsortium, zu dem sich die Hochschulrektorenkonferenz und die großen außerhochschulischen Forschungseinrichtungen vereint haben, schließt keine Open-Access-Verträge ab. Es verhandelt Transformationsverträge, die den Übergang zwischen dem bisherigen Subskriptionsmodell und der Etablierung von Open Access ermöglichen sollen. Angestrebt wird dabei eine Preisgestaltung, die für eine vertretbare finanzielle Belastung der Wissenschaft sorgt und die ursprünglich von den Verlagen geplanten Kostensteigerungen begrenzt. Nach Ende der Transformationsphase reduzieren sich die Kosten, und die Gebühren werden im international anerkannten Rahmen festgelegt. Alle anderen Vermutungen über die künftige Preisentwicklung sind Spekulation. Der mit der Wiley-Gruppe bereits abgeschlossene Vertrag bewegt sich im Rahmen früherer Kostenansätze, enthält aber für die Wissenschaft ein Vielfaches an Leistungen.

          Zweitens: Forschende erwarten einen direkten und umfassenden Zugang zu allen Zeitschriften eines Verlags. Eine Beschränkung auf einzelne Titel entspricht nicht den zunehmenden Verflechtungen der Fachgebiete und den immer besser werdenden Recherchemöglichkeiten. Das Deal-Konsortium hat bei den ausgehandelten Preisen der Tatsache Rechnung getragen, dass es durchaus Journale gibt, in denen mehr publiziert, zitiert und gelesen wird als in anderen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis lässt sich in einem publikationsbasierten Modell zukünftig besser prüfen und transparenter gestalten als je zuvor.

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