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Interview mit Harvard-Student : „Trumps Umgang mit den Universitäten ist zynisch“

Ausländischen Studenten an der Harvard Universität und anderswo in den Vereinigten Staaten steht wegen neuer Visa-Bestimmungen eine Zeit großer Unsicherheit bevor. Bild: EPA

Für mehr als 9000 Deutsche droht der Traum vom Studium in Amerika zu platzen. Die Trump-Regierung hat die Visa-Bestimmungen verschärft. Maximilian Klein schildert die Situation der Betroffenen – und wie er dagegen vorgeht.

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          Sie haben zusammen mit drei Kommilitonen einen Brief an das Auswärtige Amt, die deutsche Botschafterin in den Vereinigten Staaten und Mitglieder des Auswärtigen Ausschusses gerichtet, in dem Sie fordern, sich für die Rücknahme der jüngsten Visa-Bestimmungen der amerikanischen Regierung einzusetzen. Demnach sollen ausländische Studierende, deren amerikanische Universität keine Präsenzlehre vorsieht, kein Visum erhalten und sogar ausgewiesen werden. Wie ist der neueste Stand in dieser Angelegenheit?

          Uwe Ebbinghaus
          Redakteur im Feuilleton.

          Maximilian Klein: Wir haben den Brief am vergangenen Freitag abgeschickt. Es gab unterstützende Reaktionen aus der deutschen Politik. Die Bundesregierung wolle sich für die Studierenden einsetzen und spreche im Rahmen der Verhandlungen über Reisebeschränkungen über dieses Thema, hieß es. Parallel läuft in den Vereinigten Staaten eine Klage von Harvard und MIT gegen die Einwanderungsbehörde ICE, der sich zahlreiche Universitäten angeschlossen haben. Die Universitäten stellen sich vor ihre internationalen Studierenden, die integraler Bestandteil der amerikanischen Hochschulkultur seien. Diese Klage hat zahlreiche Unterstützer gefunden. Nach aktuellem Stand haben mehr als 200 Universitäten, 25 Städte und Landkreise, die amerikanische Handelskammer, Unternehmen wie Google und Facebook sowie die Studierendenvertretungen mehrerer Universitäten Schriftsätze bei Gericht eingereicht, um Harvard/MIT zu unterstützen. Unter anderem betonen sie den irreparablen Schaden, der für internationale Studierende und die Universitäten entstehen würde, sollten die neuen Bestimmungen umgesetzt werden. An diesem Dienstag findet die nächste Anhörung statt, bei der das Gericht entscheiden soll, ob die neuen Visa-Bestimmungen bis auf Weiteres blockiert werden. Die Zeit drängt, denn laut der neuen Bestimmungen sollen Universitäten bereits bis zum 15. Juli entscheiden, ob sie im nächsten Semester Präsenzlehre anbieten.

          Die Argumentation der Einwanderungsbehörde klingt zynisch. Studenten, deren Universität ausschließlich Onlinelehre anbietet, und das sind viele in Amerika, hätten das Land zu verlassen oder könnten zu einer Universität wechseln, die Präsenzlehre anbietet.

          Ja, diese Argumentation ist zynisch, denn einfach mal sein Studium oder gar seine Promotion innerhalb kürzester Zeit an einer anderen Hochschule fortzuführen, lässt sich natürlich kaum organisieren. Das nächste Semester beginnt bereits Ende August. Ein Wechsel ist nicht nur nicht durchführbar, die internationalen Studierenden haben sich auch mit extremem Aufwand darum bemüht, einen Studienplatz an einer bestimmten amerikanischen Universität zu bekommen.

          Es sind weltweit viele Träume von Studenten geplatzt. Zahlreiche Hochschulen, zum Teil auch in Deutschland, haben ihre internationalen Austauschprogramme ausgesetzt. Ungewöhnlich ist im Fall der Vereinigten Staaten, dass diese Regelung undifferenziert landesweit gilt und die Ausweisung droht.

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