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Mechanismen der Geldschöpfung : Die stillen Regenten des Geldes

Kein Gegenwert mehr zur frei flottierenden Geldmenge: das Münzgeld Bild: Getty

In der Krise werden Milliarden aus dem Nichts geschaffen. Wer profitiert von der Geldschöpfung, und hat der Staat sie noch in der Hand? Drei Soziologen haken nach.

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          Im zweiten Teil des „Faust“ wirft der Weimarer Finanzminister Goethe einen frühen Blick in die virtuelle Welt. Ihr Medium ist die Notenpresse, angeworfen von Mephistopheles und Faust mit dem Versprechen, die maroden Finanzen des Kaisers zu sanieren. Der ahnt Frevel, ungeheuren Trug. Doch so sehr’s ihn wundert, lässt er’s gelten. Bodenschätze sind der in Aussicht gestellte Gegenwert, und so wird dem liebenden Einsiedlerpaar Philemon und Baucis langsam der Boden unter den Füßen weggegraben. Geld ist für Goethe eine dynamische und teils irrationale Gewalt.

          Thomas Thiel

          Redakteur im Feuilleton.

          Die Zentralbanken wollen nun als Antwort auf das Coronavirus massiv neues Geld in die Märkte pumpen. Die amerikanische Notenbank hat den Kauf von Schuldpapieren von Unternehmen im Wert von bis zu einer Billion Euro angekündigt. Die Europäische Zentralbank will für 750 Milliarden Euro zusätzlich Staatsanleihen kaufen, was die angeschlagene Wirtschaft und die Staatsfinanzen etwa Italiens stabilisieren soll. Allgemein beraten die europäischen Zentralbanken darüber, wie sie Staatsanleihen für private Investoren attraktiv halten können. Denn nach Unionsrecht dürfen sie das Geld nicht direkt dem Staat leihen, der damit stärker in die Abhängigkeit von Investoren gerät.

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