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Gehaltsreport für Absolventen : Berufswunsch? Reich!

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Gut verdienen - das wollen viele; aber wo gibt es die besten Gehälter? Bild: dpa

Ein Studium zahlt sich aus – so viel ist bekannt: Akademiker können sich auf höhere Gehälter freuen als Nicht-Akademiker. Aber das ist natürlich nur ein Durchschnitt, wie diese neuen Gehaltsdaten zeigen.

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          Berufswunsch? Reich! Wer das für sich selbst unterschreiben würde, sollte einen möglichst hohen Uni-Abschluss erzielen. Jedenfalls, wenn man dem neuen Gehaltsreport für Absolventen glaubt, den die Online-Stellenbörse Stepstone herausgegeben hat. Berufseinsteiger mit akademischem Abschluss verdienen demnach im Schnitt 44.836 Euro brutto im Jahr, 20 Prozent mehr als Fachkräfte, die frisch aus der Ausbildung kommen. Ein Masterabschluss in der Tasche verspricht dabei ein noch höheres Gehalt als ein Bachelor. Promovierte können beim Karrierestart sogar auf ein 40 Prozent höheres Einkommen hoffen als ihre Kollegen mit Bachelorabschluss. Für die Ergebnisse der Untersuchung wurden Gehaltsdaten von rund 11.000 Berufsanfängern ausgewertet.

          Dabei ist der Gehaltsunterschied zwischen Bachelor und Master aber in allen Berufsgruppen höchst unterschiedlich: Designer erhalten im Schnitt mehr als ein Viertel mehr Geld, wenn sie einen Master-Abschluss machen, in der naturwissenschaftlichen Forschung beträgt die Differenz mit 2400 Euro im Jahr relativ wenig. Besonders begehrt ist auch, wer schon in Form von Praktika oder einer Werkstudententätigkeit berufliche Erfahrungen sammeln konnte. Alternde Belegschaften und moderne digitale Arbeitsformen, die im Studium erlernte analytische Fähigkeiten erfordern, kommen den Absolventen zugute. So kommt es auch, dass die Einstiegsgehälter insgesamt in den vergangenen drei Jahren um fast 2000 Euro gestiegen sind.

          Auch Master ist dabei nicht gleich Master. Während Absolventen der MINT-Fächer im Schnitt zwischen 48.000 und 50.000 Euro Bruttojahresgehalt verdienen, beträgt das Durchschnittsgehalt eines Kulturwissenschaftsabsolventen nur 35.000 Euro. Steigende Einkommen sind vor allem im Bereich der MINT-Fächer zu beobachten. Besonders junge Wirtschaftsingenieure zählen zu den gefragtesten Fachkräften Deutschlands. „Sie verfügen sowohl über naturwissenschaftliche und technische Expertise, sind aber auch in Sachen Wirtschaftswissenschaft geschult. Diese Fähigkeit Brücken zu bilden wird im Zuge der Digitalisierung und Automatisierung immer gefragter“, sagt ein Stepstone-Sprecher. „Wenn jemand außerdem einen Abschluss der Mathematik erzielte, kann er wahrscheinlich mit der Verarbeitung großer Datenmengen umgehen. Das macht ihn als Arbeitnehmer in vielen Branchen attraktiv.“

          Auch mit einem Studium der Rechtswissenschaften lässt sich gutes Geld machen, stellt der Gehaltsreport weiter fest. Voraussetzung ist die richtige Berufswahl: als Anwalt oder in der Rechtsabteilung eines Unternehmens erzielen Juristen als Berufsanfänger im Schnitt Gehälter von mehr als 52.000 Euro brutto. Allerdings, darauf verweisen die Gehaltsfachleute, arbeiteten viele Jura-Absolventen gar nicht im Berufsfeld Recht, sondern beispielsweise im Personalmanagement. Eine solche Berufswahl gehe mit Gehältern einher, die um bis zu 14.000 Euro niedriger liegen.

          Industriestandorte locken mit hohen Gehältern

          Bildung, Medien und der öffentliche Dienst sind dagegen finanziell gesehen eher unprofitable Branchen. Nur wer im Tourismus oder Freizeitbereich und im Marketing arbeitet verdient noch schlechter.  Dahinter steckt, so sehen es die Gehaltsfachleute, das Phänomen, dass in Dienstleistungsunternehmen Löhne einen großen Anteil an den Gesamtausgaben ausmachen und deshalb meist geringer sind. Im Gegensatz dazu fielen Gehälter in Industrieunternehmen weniger ins Gewicht. Finanziell gesehen sind besonders die Fahrzeug-, Erdölverarbeitende- und Pharmaziebranche attraktiv.

          Zudem spielt die Unternehmensgröße eine Rolle: Je größer die Unternehmen sind, desto höher fallen auch Löhne aus. Arbeiten mehr als 1000 Menschen in einem Betrieb, liegen die monatlichen Zahlungen der Untersuchung zufolge neun Prozent über dem deutschen Durchschnittsgehalt. „Große Industrien haben in der Regel durch Massenproduktion und automatisierte Prozesse höhere Margen“, sagt eine Stepstone-Sprecherin. Ein stärkerer Einfluss von Gewerkschaften und die hohe auf einen Standort konzentrierte Personalnachfrage führten zudem dazu, dass große Unternehmen überdurchschnittlich gut zahlen müssten.

          Dabei locken vor allem Industriestandorte mit hohen Gehältern: In Süddeutschland liegen Einkommen über dem Bundesdurchschnitt, noch höher sind sie in süddeutschen Großstädten. Frankfurts Spitzenposition ist den Angaben zufolge auf die Finanz- und Logistikindustrie zurückzuführen. Stuttgart, auf Platz zwei der Gutverdiener-Städte, profitiere besonders von der Automobilindustrie. Im Gegensatz dazu schneiden die norddeutschen Wirtschaftszentren Hamburg und Berlin weniger gut ab, unter anderem weil sie mehr Dienstleistungsunternehmen und Start-ups beherbergen und weniger Großindustrie. Noch geringer sind die Löhne in den neuen Bundesländern. Bei der Bewertung der absoluten Gehaltszahlen müssen jedoch auch regionale Unterschiede bei den Lebenserhaltungskosten berücksichtigt werden.

          Nicht vergessen werden sollte auch: Eine Karriere im Ausbildungsberuf ist häufig profitabler als gedacht. „Ein junger Handwerksgeselle verdient im Schnitt mit 41.600 Euro brutto im Jahr mehr als ein Absolvent der Geisteswissenschaften mit 35.000 Euro im Jahr“, sagt die Stepstone-Sprecherin. Und auch Kaufleute in großen Unternehmen generieren ein höheres Einkommen als studierte Kreative, die sich mit einem Start-up selbständig machen. Jenseits von Interessen und Fähigkeiten ist die Wahl eines Ausbildungsberufs für manchen Jugendlichen also auch finanziell die bessere Entscheidung.

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