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Poststrukturalismus : „Neue Kerker des Denkens“

  • -Aktualisiert am

Die Universität (hier Leipzig): Was dort beginnt, sickert erst später in die Gesellschaft durch. Bild: Frank Röth

Postmoderne Theorie will den Geist aus starren Formen befreien. Ihr blinder Radikalismus mündet in intellektuelle Regression. Ein Gastbeitrag.

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          Seit einigen Jahren werden an den Universitäten der westlichen Welt jene Konzepte erprobt, die später von Medien, Wirtschaft und Politik übernommen werden. Ob es sich um Inklusionsregeln, die Auflösung des körperlichen Geschlechts oder die Ansicht handelt, der Wert einer Aussage sei an der Herkunft des Sprechers zu messen – sie alle wurden zuerst an Hochschulen populär, bevor sie praktischen Einfluss auf Politik und Gesellschaft nahmen. Gemeinsam ist diesen Konzepten auch die Herkunft aus dem französischen Poststrukturalismus und den postmodernen Theorien, die seit den neunziger Jahren an amerikanischen Universitäten Karriere machten. In der Folge errang ein Bündel zunächst randständiger theoretischer Strömungen wie Postkolonialismus, Critical Whiteness und Queer Theory die Deutungshoheit in den akademischen Debatten.

          Diese Denkansätze postulieren selbstsicher, kein philosophisches System ausgebildet zu haben und keiner klaren Tradition anzugehören. Das macht es unmöglich, sie durch ihre Gemeinsamkeiten, aber auch ihre inneren Unterschiede, Widersprüche und Paradoxien auf den Begriff zu bringen. Der Poststrukturalismus hat den Nominalismus, also den Glauben an die bloße Konstruiertheit von Allgemeinbegriffen, so sehr auf die Spitze getrieben, dass seine Adepten schon jede Nennung eines Oberbegriffs als totalitäres Unterfangen geißeln.

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