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Exzellenzinitiative : Es gibt noch immer kein deutsches Harvard

  • -Aktualisiert am

Blick auf die Eliteuniversität Harvard in Cambridge, Massachusetts Bild: AP

Die Exzellenzinitiative wollte deutsche Hochschulen in die Ranglisten internationaler Spitzenunis führen. Dieses Ziel wurde verfehlt – und doch der deutschen Forschung zu einer größeren Sichtbarkeit verholfen.

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          Es gibt immer noch kein „deutsches Harvard“. Es gibt Spitzen-, ja sogar Exzellenzuniversitäten, aber unter den ersten fünfzig weltweit besten Hochschulen etwa des „Shanghai-Rankings“ findet sich immer noch keine deutsche Hochschule. Ist die Exzellenzinitiative, deren erklärtes Ziel es war, in die Spitzengruppen solcher Ranglisten vorzustoßen, also gescheitert? Natürlich wäre es einfältig, die Wirkung eines komplexen Förderprogramms auf zweifelhafte Errungenschaften wie Hochschulrankings zu reduzieren. Das Problem ist eher, dass die tatsächliche Wirkung kaum erforscht wird. Eine bemerkenswerte Ausnahme stellen Torger Möller und Stefan Hornbostel dar, die am Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) eine Bestandsaufnahme zur Exzellenzinitiative veröffentlicht haben. Ihr Fazit lässt sich auf die Formel bringen, dass die zentralen Ziele der Initiative verfehlt worden seien, während man andere, ursprünglich gar nicht intendierte Folgen durchaus als Erfolge bewerten müsse.

          Nicht erreicht wurde das Ziel, die universitäre Forschung auch im internationalen Vergleich in der Spitze zu steigern. Zwar seien die Leistungen der geförderten Exzellenzcluster bei den Toppublikationen besser als jene der nicht geförderten Hochschulen, so Möller und Hornbostel. Es gibt also erkennbare Leistungsunterschiede zwischen den Exzellenzuniversitäten und den anderen, aber ein Effekt der Exzellenzinitiative sei diese Stratifizierung des deutschen Hochschulsystems nicht. Sie bestand nämlich schon vorher.

          Keine Überraschung für die Forscher

          Haben die Gelder der Initiative wenigstens die Abstände vergrößert? Nicht einmal das ist gelungen. Der DFG-Förderatlas von 2015 belege sogar eine Verminderung der Abstände der drittmittelstärksten und -schwächsten Universitäten im Beobachtungszeitraum. Hornbostel und Möller zufolge ist das nicht überraschend. Die verteilten Mittel der Initiative seien schlicht zu gering gewesen, um einen erkennbaren Effekt zu hinterlassen. Auf die einzelnen Jahre umgerechnet und in Relation zu den Gesamtausgaben hätten die 4,6 Milliarden des Programms magere drei Prozent der Forschungsausgaben des Hochschulsektors ausgemacht. Außerdem wiesen Guido Bünstorf und Johannes König in einer Studie vom vergangenen Jahr nach, dass die nicht in der Exzellenzinitiative geförderten Hochschulen andere Drittmittelquellen erschlossen haben und einem Davoneilen der Spitzengruppe entgegenwirken konnten. Ironischerweise habe der Bund selbst dazu beigetragen, indem er einerseits die Initiative mitfinanziert habe, dann aber in seiner anschließenden Förderpraxis deren Konzentrationseffekte wieder abgeschwächt habe.

          Angesichts der hohen Kosten der Bewerbung als Exzellenzuniversität kalkulieren die Hochschulen laut Hornbostel und Möller inzwischen sehr nüchtern, ob Strategien zur Profilierung der eigenen Stärken außerhalb der Exzellenzstrategie nicht effizienter und nachhaltiger sind. Immerhin erspart man sich so im Falle einer Niederlage oder gar des Titelverlusts eine „öffentliche Beschämung“ im „massenmedialen Spektakel“ des Exzellenzrennens, so die spitze Anmerkung der Autoren.

          Strukturierte Nachwuchsförderung

          Die positiven Effekte der Exzellenzinitiative fänden sich woanders. Ein ihr zuzurechnender Erfolg sei die Reform der Doktorandenausbildung, die zuvor über Jahrzehnte an den inneren Strukturen und Blockaden der Universitäten gescheitert sei. Inzwischen würde eine strukturierte Nachwuchsförderung in Graduiertenschulen und -kollegs als originäre Aufgabe der Universitäten verstanden, befinden die Autoren. Dem stünde nicht entgegen, dass das Format der Graduiertenschulen die Exzellenzinitiative nicht überlebt habe. Das Problem sei vielmehr, dass die Initiative mit ihrer Vielzahl an befristeten Stellen zwar die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses grundlegend verbessert habe, nicht aber dessen Karrierechancen an den Hochschulen.

          Immerhin brachte sie aber nicht nur eine Zunahme der Befristung von Nachwuchsstellen mit sich, sondern sorgte mit ihrem „verspäteten Erfolgsmodell der Juniorprofessur“ und verschiedener Tenure-Track-Modelle für eine Zunahme der Befristung bei den Professuren. Die Initiative habe damit als „Katalysator neuer Wege der Personalrekrutierung“ gewirkt, die immer wieder gefordert, aber kaum umgesetzt worden seien.

          Die Exzellenzinitiative, so Möller und Hornbostel, sei ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie ein dem deutschen Forschungssystem eher fremder Impuls föderal so lange politisch bearbeitet wurde, bis seine ursprüngliche Radikalität auf einen rhetorischen Rest eingeschmolzen worden sei. Der von der Initiative ausgelöste „Mobilisierungseffekt innerhalb der Universitäten“ sei aber nicht zu unterschätzen. Die große mediale Öffentlichkeit der Initiative habe auch in der Wissenschaftspolitik der Länder eine neue Dynamik entfaltet. Insofern sei das „nebulös formulierte Ziel“ einer größeren „Sichtbarkeit“ der deutschen Forschung in gewisser Weise erreicht worden. Auch wenn diese Sichtbarkeit wohl eher eine größere Durchsichtigkeit ist.

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