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Die Uni-Mensen öffnen : Endlich wieder Mittagspause

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Zurück an einem Tisch: die Studierenden Laura, Tom, Lukas und Abdu (v.l.n.r.) in der Mensa Griebnitzsee in Potsdam Bild: Henrik Pomeranz

Die Mensa ist das soziale Herz der Uni: essen, quatschen, Pause machen. Für mehr als ein Jahr ging das wegen Corona nicht. Wie ist es, zurück zu sein? Ein Ortsbesuch in Potsdam.

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          Das Erwachen nach dem großen Schlaf kommt nicht ruckartig, sondern gemächlich: Kein Lärm und keine Schlange wie sonst, nur zwei Studenten sind es, die gerade ihre Tabletts vorbei an den leeren Glastheken zur Essensausgabe tragen. Die Mensa Griebnitzsee an der Universität Potsdam hat erst seit einem Monat ihre Türen wieder geöffnet. Bis dahin musste sie, wie die anderen 874 Mensen und Cafeterien in deutschen Hochschulen, für mehr als ein Jahr geschlossen bleiben. Rund 236.000 Plätze blieben leer, und den Studierenden blieb nichts anderes übrig, als sich mit ihren Spaghetti an die heimischen Esszimmer- oder Schreibtische oder in ihre WG-Küchen zu setzen.

          Dass viele Mensen nun öffnen, bedeutet für sie weit mehr, als nur wieder günstig essen zu können. Die Mensa ist das soziale Herz der Uni, der Besuch für viele das Highlight des Tages. Hier werden aus Gesprächen bei Kaffee und Eintopf kostbare Erinnerungen und aus Kommilitonen Freunde fürs Leben. In der Pandemie fiel all das weg. Wie ist es für die Studenten, endlich wieder hier zu sein? Und was haben sie am meisten vermisst?

          In der Potsdamer Mensa Griebnitzsee lassen sich an diesem Montagmorgen Antworten finden, doch wurde die wichtigste Frage dabei noch gar nicht gestellt: Was gibt’s heute eigentlich zu essen? 1. Linsensuppe mit Ingwer, Kokosmilch und Sesam, 2. Gemüseköttbullar in Sahnesauce mit Preiselbeergelee, 3. Seelachsfilet paniert, dazu hausgemachte Remoulade mit Eismeergarnelen. Der Seelachs klingt verlockend, aber um 11.50 Uhr ist es dafür noch etwas früh, darum nehme ich selbst erst mal den Cappuccino für 1,20 Euro und schaue mich um.

          Vertrauen, Gemeinschaft und Nähe

          Die meisten Studierenden sitzen im Innenhof an langen Holzbänken, hinter ihnen ein kleines Wäldchen efeubewachsener Bäume. Kurze Hosen, Sommerkleider, es sind schon wieder 29 Grad. Nebenan am Tisch redet eine Dreierrunde über Nebenjobs und Mensa-Pommes. Nicole macht mit ihren Freunden Tobias und Lara Pause vom Jura-Büffeln. Sie sagt: „Ich fand es tatsächlich ein bisschen emotional, zum ersten Mal wieder in die Mensa zu kommen.“ Denn dieser Ort bedeute für sie, viel Zeit mit ihren Freunden verbringen zu können, was sie in den Monaten vorher vermisste. „Einfach wieder ein Stück Normalität zu haben, hier zu sitzen und Kaffee zu trinken, das war total gut“, sagt sie.

          Der größte Mensa-Fan in der Runde scheint Tobias zu sein. Gleich an dem Tag, als die Mensa wieder öffnete, stand auch er mit dem Tablett an der Theke. „Es war ein Highlight“, sagt er, der hier vor allem die Pommes preist. Die Mensa sei einfach ein großer Bestandteil des Unilebens. Früher kam er oft schon um 9 Uhr zum Lernen in die Bibliothek, damit er um 11 Uhr das erste Mal essen gehen konnte. „Dann warst du ja lange da und hast später noch ein zweites Mal gegessen.“ Manchmal sei das Angebot so verlockend gewesen, dass er nur für das Essen extra aus Berlin hergefahren sei.

          Ein bis zwei Stunden verbringen die drei Freunde täglich in der Mensa. Als sie im Lockdown schloss, mussten sie zum Bäcker oder in den Supermarkt. Zu den Wohnheimen schickte das Studentenwerk Imbisswagen. „Das waren sehr witzige Bilder“, sagt Tobias, „weil die ganzen Studierenden mit ihren Tupperboxen und Kochtöpfen ankamen und sich da den Linseneintopf reinfüllen ließen.“

          Studierende haben das Gemeinschaftsgefühl vermisst

          1,60 Euro kostet die Linsensuppe heute hier, 2,10 Euro die Gemüseköttbullar, für die die drei Jura-Kommilitonen sich entschieden haben. Viele Studierende sind darauf angewiesen, zu subventionierten Mensa-Konditionen essen zu gehen. Besonders in einer Zeit, in der viele klassische Studentenjobs weggefallen sind. Für sie war es nicht leicht, im Lockdown einen ähnlich günstigen und halbwegs gesunden Ersatz zu finden. So ging es auch der Informatik-Studentin Laura, die einen Tisch weiter mit ihren Kommilitonen zusammensitzt. Die Holzbänke sind mittlerweile gut gefüllt, und durch den Innenhof geht ein angeregtes Gebrabbel. „Mein Tiefkühlgemüse-Verbrauch ist normalerweise schon hoch, aber im Lockdown war er noch größer“, sagt Laura und lacht. „Ich habe es schon doll vermisst, günstig und mit wenig Aufwand gutes und leckeres Essen zu bekommen.“

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