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Wissenschafts-Elite : „Einheitssoße“ in der Wissenschaft

Noch immer ein seltenes Bild: Frau in der Forschung Bild: mauritius images / Caia Image

In der Professorenschaft und den Top-Etagen der Unis gibt es hierzulande auffällig wenige Frauen. Aber eine Gegenbewegung formiert sich.

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          Die deutsche Spitzenforschung ist in einem Bereich nicht so spitze: in Sachen Vielfalt des forschenden Personals. Das belegen Zahlen der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK), Daten der Bundesregierung, Auswertungen der Technischen Universität München und des Deutschen Akademischen Austauschdienstes.

          Nadine Bös
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Wie schwer sich Unis und Forschungseinrichtungen mit Diversität tun, zeigt etwa ein Blick auf Frauen in der Führung: Nach GWK-Angaben waren 2018 (das sind die aktuellsten Zahlen) weniger als ein Viertel der Professoren in Deutschland weiblich. Besonders männlich geprägt sind die Ingenieurwissenschaften mit einem Professorinnenanteil von gerade mal 12,9 Prozent. Isabell Welpe, BWL-Professorin an der TU München, hat zudem einen Blick auf die Top-Managementpositionen in Unis geworfen: Hier sind nur etwas mehr als ein Fünftel der Posten mit Frauen besetzt, in außeruniversitären Forschungseinrichtungen 18,6 Prozent. Sie beruft sich dabei auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes und des Statistikportals Statista.

          Auch die GWK bilanziert: Auf der obersten Etage (Institutsleitungen und Direktorien) schnitt insbesondere die Fraunhofer Gesellschaft mit nur 5,6 Prozent Frauen denkbar schlecht ab. In den anderen außeruniversitären Forschungseinrichtungen bewegt sich der Anteil an Frauen auf der ersten Führungsebene zwischen 16 und 23 Prozent. „Zwar ist der Frauenanteil in den vergangenen zehn Jahren gewachsen, doch das Ausgangsniveau ist niedrig, und bis zur Parität wird es noch Jahrzehnte dauern, wenn das Wachstum im selben Tempo weitergeht“, analysiert Welpe.

          „Erbärmliche Ausgründungsquote“

          Als „sehr homogene Einheitssoße“ bezeichnet auch der FDP-Abgeordnete und Diversity-Fachmann Thomas Sattelberger die Führungsetagen und Teams in der deutschen Wissenschaft. „Diese mangelnde Diversität der deutschen Forschungslandschaft führt zu drastischen Konsequenzen, insbesondere in den außeruniversitären Forschungseinrichtungen, wo die Vielfalt noch geringer ist als in den Universitäten“, sagte er der F.A.Z. Dies führe zu „schwächerem Talentmagnetismus, niedrigerer Innovationskraft und einer erbärmlichen Ausgründungsquote“. Auch Forscherin Welpe beschäftigt sich seit langem mit dem Zusammenhang von Vielfalt und Fortschritt. „Diversität ist kein Selbstzweck“, sagt sie. „Sie korreliert mit Innovation. Forschung braucht Originalität, sie lebt vom abweichenden Blickwinkel. Den gibt es aber weniger, wenn immer nur der Mainstream eingestellt und befördert wird.“

          Es geht nicht nur um Frauenquoten. Auch die Beschäftigtenquoten von Menschen mit Behinderungen, etwa in den außeruniversitären Instituten, sind gering und lagen 2018 der Antwort auf eine kleine Anfrage der FDP aus dem vergangenen Jahr zufolge zwischen 3,45 Prozent (Max Planck) und 2,8 Prozent (Fraunhofer). Unter den Studierenden sind Menschen mit Behinderung dagegen mit 11 Prozent vertreten, glaubt man der Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks aus dem Jahr 2016. Und auch der Anteil des internationalen Wissenschaftspersonals ist – abgesehen von der Max Planck Gesellschaft, wo die Belegschaft sehr international ist – eher mau: Helmholtz und Leibnitz liegen bei 26 und 22 Prozent; Fraunhofer bildet mit 10 Prozent das Schlusslicht, wie es im Bericht „Wissenschaft weltoffen“ des DAAD heißt (mit Zahlen von 2018).

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